Aris Fioretos

Mary

Es ist November 1973. Mary nimmt mit ihrem Freund Dimas zusammen an der Besetzung der Hochschule in Athen teil. Nach drei Tagen kommt das Militär mit Panzer und Soldaten – Mary wird verhaftet und gerät in die Willkür der Polizei in einem rechtlosen Raum. Wir sind ganz nahe bei ihr, bei ihrer Angst, ihren Schmerzen, ihrem Versuch zu überleben. Der Mensch muss sich von seinem Schmerz lösen, als separate Person betrachten, damit er überleben kann. Diesem Grundsatz folgt Mary in den Monaten der Haft, zuerst in einem Polizeigefängnis, dann auf einer Gefängnisinsel irgendwo im Mittelmeer. Ganz nah sind wir bei ihr und folgen ihrer Geschichte, die sie nur in Bruchstücken erzählt. Von ihren Eltern, eine Familie von "der anderen Seite", von denen sie sich – wie auch ihr Bruder, der sich nach Amerika geflüchtet hat – zu lösen versucht; von Dimos, ihrem Freund, der ihr ein neues Leben eröffnet hat; vom Kind, das gerade in ihrem Bauch wächst. Eigentlich ist der Text fast nicht zu ertragen, wären da nicht diese unglaublichen Sätze, die wie glänzende, wunderschöne Grantapfelkerne immer wieder auftauchen. Als Leitsatz stehen Lorcas Worte "... eine vage Form aus Herz und Kranium". Sie stehen für den Granatapfel, der den Roman vom Anfang bis zum Schluss durchzieht und auch den Umschlag und den Vorsatz des Buches ziert. Grantapfel als Zeichen für Liebe und Leidenschaft, aber auch für Trauer.

Ein erschütterndes Buch, das unbedingt gelesen werden muss! cn

Klappentext:

"Es mag seltsam klingen, aber ich bin die einzige, die erzählen kann, wie ich endete." Mit diesen Worten beginnt Mary, als alles vorbei ist, ihren aufwühlenden Bericht von einer schweren Zeit. Wer ihn gelesen hat, wird Mary nicht mehr vergessen. Im November 1973 hat die Miliz sie vor der Hochschule in Athen festgenommen. In den Verliessen des Sicherheitsdienstes und auf einer Gefängnisinsel war sie Hunger, Kälte und Folter ausgesetzt. Aber sie erzählt auch von der Solidarität unter den gefangenen Frauen und davon, wie es ihr gelang zu überleben, ohne Verrat zu begehen. Von ihrer Herkunft und dem Bruch mit ihrer regimetreuen Familien, von dem verschwundenen Bruder und ihrer Liebe zu Demos, dessen Kind sie unter dem Herzen trägt. Mit grosser literarischer Kraft beschreibt Iris Fioretos die existentielle Krise eine jungen Frau, die mit dreiundzwanzig Jahre vor einem unlösbaren Konflikt steht.

Über die Autorin / über den Autor:

Aris Fioretos, 1960 in Göteborg geboren, ist schwedischer Schriftsteller griechisch-österreichischer Herkunft. Bei Hanser erschienen Das Mass eines Fusses (Essays, 2008), Der letzte Grieche (Roman, 2011) und Die halbe Sonne (Prosa, 2013). 2010 hat Fioretos die erste kommentierte Werkausgabe von Nelly Sachs sowie eine Bildbiographie über die Autorin veröffentlicht. Für seine Übersetzungen – er übertrug u.a. Paul Auster, Vladimir Nabokov und Jan Wagner ins Schwedische – wie für sein eigenes Werk hat er zahlreiche Literaturpreise erhalten, darunter 2011 den Literaturpreis der SWR Bestenliste, den Kellgren-Preis der Schwedischen Akademie und 2016 für Mary den Romanpreis des Schwedischen Rundfunks. Aris Fioretos lebt in Berlin und Stockholm.

Preis: CHF 34.50
Sprache: Deutsch (aus dem Schwedischen von Paul Berf)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2016 (2015)
Verlag: Hanser
ISBN: 978-3-446-25270-7
Masse: 350 S.

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