Omar Robert Hamilton

Stadt der Rebellion

Mit Khalil und Mariam, Hafez, Rania, Ashraf, Malik und Rosa finden wir uns auf dem Tahrir-Platz, in der Mohamed Mahmoud Street, in den Krankenhäusern und den Leichenhallen der ägyptischen Revolution von 2011 wieder. Die Begeisterung über Veränderungen, über Gerechtigkeit und dem Fall von Mubarak treibt die jungen Leute an. Solidarität, gegenseitige Hilfe, Unterstützung auf allen Medien, gegenseitiger Respekt – sie wollen eine andere Welt und glauben daran, sie sich erkämpfen zu können. Dafür nehmen sie die Gefahren der Strassenkämpfe auf sich, die Gefahr, verhaftet oder gar getötet zu werden. Als die Muslimbrüder die Wahlen gewinnen, wehren sie sich gegen die Vereinnahmung der Revolution durch die Muslimbrüderschaft, die schon bald eine neue Diktatur aufbauen will. Doch sie geraten letztendlich zwischen alle Fronten und sind lediglich ein Spielball der zynischen Machtspiele. Nach der Absetzung des Präsidenten Mursis durch die Armee und die Machtübernahme durch Sisi, werden die Hoffnungen der Revolutionäre zerstört, ein Klima der Enttäuschung macht sich breit. Aktivisten werden verhaftet, zusammengeschlagen, gefoltert, umgebracht.

Entlang dieser Linien schreibt Omar Robert Hamilton sein Buch. Szenenbeschreibungen, Twitternachrichten, Schlagzeilen, Liedtexte – zusammen ergeben sie ein Bild der Realität, ohne eine politische Analyse sein zu wollen. Es ist ein zorniges Buch, zornig gegen die ägyptische Armee, aber auch gegen die Menschen, die Freiheit und Gerechtigkeit gegen Sicherheit eintauschen. Und gegen die Welt, die letztendlich immer Gründe findet, sich mit noch so undemokratischen Machthabern zu arrangieren. Und es ist ein unendlich trauriges Buch. Denn was bleibt, nachdem das Scheitern der Revolution offensichtlich geworden ist, nachdem viele der Freunde verhaftet worden sind, gestorben oder ausgereist sind? Was bleibt Khalil und Mariam als Paar, das sich während der Revolution kennengelernt hat und jetzt deren Untergang zusehen muss? Ein sehr lesenswertes Buch, um mindestens zu erahnen, wie es vielen jungen Menschen in Ägypten ergeht. cn

Klappentext:

Kairo, 2011. Alles scheint möglich. Die ganze Welt schaut hin, als die ägyptischen Aufständischen nicht müde werden, lautstark gegen die Diktatur zu protestieren, trotz aller Gewalt von Polizei und Militär. Mittendrin: Mariam und Khalid. Sie lernen sich im Getümmel einer Demonstration kennen, und fortan wird sie die Angst, dass dem anderen etwas zustossen könnte, nicht mehr verlassen. Mutig kämpfen die beiden gemeinsam in einer Aktivistengruppe und versenden rund um die Uhr Nachrichten in alle Welt. Und nicht zuletzt kämpfen sie um ihre Liebe, für die keine Zeit bleibt in dem unaufhörlichen Strom von Aufgaben, die die Revolution ihnen aufbürdet, getrieben vom Gefühl der Verantwortung gegenüber ihren ermordeten oder inhaftierten Mitstreitern. Erbittert diskutieren sie darüber, welche Kompromisse sie eingehen müssen, zerrieben zwischen Hoffen und Verzweifeln.

Dieser aufwühlende Roman zeigt die ägyptische Rebellion aus unmittelbarer Nähe, rasant folgt er den Revolutionären durch Kairos Strassen und über Twitter. Und auch wenn die Lage immer aussichtsloser erscheinen mag: Sie werden nicht aufgeben.

Über die Autorin / über den Autor:

Omar Robert Hamilton ist Sohn einer ägyptisch-palästinensischen Mutter und eines britischen Vaters, beide ebenfalls Autoren. Er arbeitet als Filmemacher und Essayist. Ausserdem ist er Mitbegründer eines Aktivisten- und Medienkollektivs in Kairo und des Palestine Festival of Literature. Sein Debütroman erscheint gleichzeitig in mehreren Sprachen.

Preis: CHF 33.90
Sprache: Deutsch (aus dem Englischen von Brigitte Walitzek)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2018
Verlag: Wagenbach
ISBN: 978-3-8031-3294-9
Masse: 319 S.

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