Tajjib Salich

Zeit der Nordwanderung

Eigentlich ein Roman aus dem Sudan ... Aber von so grosser Kraft, dass er einfach auch hierhin gehört. Ein Text zum Verhältnis der Kolonialmacht mit den kolonialisierten Menschen; über Identität und das sich Zurechtfinden in den traditionellen Strukturen. Der Ich-Erzähler kommt von seinem Studium aus London zurück in sein Dorf im Suden, zu seiner Familie, wo er sich sehr wohl und zuhause fühlt. Dort trifft er auf Mustafa Said, der vor ein paar Jahren ins Dorf gekommen ist und dort geheiratet und sich niedergelassen hat. In Gesprächen mit ihm findet der Erzähler heraus, dass dieser nicht der einfache Bauer ist, für den er sich ausgibt. Er war einst ein genialer Schüler, der in England gelebt und unterrichtet hat. In zahlreichen Liebesbeziehungen mit englischen Frauen, geprägt von Hass und Kränkung, hat sich Mustafa quasi die Kolonialmacht angeeignet, könnte man denken. Sein Verschwinden aus dem Dorf lässt den Erzähler mit der Verantwortung für dessen Familie zurück. Doch schon irgendwie ausserhalb der traditionellen Strukturen weiss er nicht mehr, wie er dies machen sollte. Alles kommt zu einem grausigen Ende ... Ein äusserst eindringlicher, kompakter Roman, der einen packt, schüttelt und weit fortträgt. cn

Klappentext:

ein kleines Dorf am Nil, die Hauptstadt ist weit weg, einmal wöchentlich nur hält der Dampfer. Eine archaische Welt mit Jahrtausende alten überlieferten Werten. Der Fluss ist die nährende und die todbringende Kraft. Seit fünf Jahren lebt Mustafa Said, der hutaussehende, intelligente 50jährige "Fremde", hier, inzwischen völlig integriert und akzeptiert, ja geschätzt seiner Kompetenz und Liebenswürdigkeit wegen. Niemand kennt seine Geschichte, niemand weiss, dass er einst mit dem Bazillus des Fernwehs infiziert wurde. Er hat eine Frau aus dem Dorf geheiratet, ist ein vorbildlicher Ehemann und Vater. Doch seine Vergangenheit holt ihn ein, und er gibt einem jungen Mann, der soeben seine Studien in England beendet hat, sein Geheimnis preis. Im Vertrauen erzählt er ihm von seiner "Nordwanderung", die ihn, die hochbegabte Halbwaise, über Kairo nach London führte, von seiner glänzenden akademischen Karriere, seiner ersten Ehe, seinen erotischen Abenteuern, die alle tragisch endeten. Kurz darauf tritt der Fluss in einer heissen Julinacht stärker als gewöhnlich über die Ufer und trägt Mustafa Said mit sich fort. Seine Leiche wird nie gefunden. Mit der Ruhe im Dorf ist es endgültig vorbei, als seine attraktive Witwe gezwungen wird, einen vierzig Jahre älteren Manch heiraten. Sie droht, ihn umzubringen.

Über die Autorin / über den Autor:

Tajjib Salich, geboren 1929 im Norden des Sudan. Nach Studien in Khartum und London arbeitet er viele Jahre beim arabischen Dienst der BBC, danach als Berater bei der Unesco. Zeit der Nordwanderung, sein erster Roman, machte ihn über Nacht berühmt, und das Buch wurde zum Kultbuch der arabischen Intellektuellen. Die Werke – Romane undErzählungen – des bis zuletzt in London lebenden Schriftsteller sind in über zwanzig Sprachen übersetzt. Er starb 2009 in London.

Preis: CHF 20.90
Sprache: Deutsch (aus dem Arabischen von Regina Karachouli)
Art: Taschenbuch
Erschienen: 2010 (1969)
Verlag: Lenos Verlag
ISBN: 978-3-85787-739-1
Masse: 191 S.

zurück