Rosa Yassin Hassan

Wächter der Lüfte

In ständig wechselnden Perspektiven – die Ich-Erzählung kann manchmal mitten im Satz zu einer Aussenperspektive wechseln –, in Vor- und Rückblenden entwickelt sich die Geschichte von Anat, ihrem Vater und ihrem Ehemann, der 15 Jahre im Gefängnis verbracht hat. Bereits die Form des Romans verrät viel über die totalitären Strukturen, die in erster Linie indirekt erwähnt sind. Der Roman spricht nicht direkt die politischen Zustände in Syrien an, sondern interessiert sich dafür, was diese Unterdrückung, diese Willkür, diese nicht in Frage zu stellende Macht mit den Menschen machen, die das Leben in einem solchen System aushalten müssen. cn

Klappentext:

Im Mittelpunkt des Romans steht Anat Ismail, eine junge Syrerin, die für die kanadische Botschaft in Interviews mit Flüchtlingen aus unterschiedlichsten Teilen des Nahen Ostens und Nordafrikas dolmetscht.

Sie lernt Dschawad kennen, der, kaum dass die beiden ein Paar geworden sind, verhaftet wird und als politischer Gefangener mehr als fünfzehn Jahre im Gefängnis verbringt. Doch nach seiner Entlassung wird beiden bald klar, dass die Zeit der Trennung tief greifende Spuren und seelische Wunden hinterlassen hat. Fatalerweise gelingt es ihnen nicht, diese Veränderungen und die neu entstandenen Bedürfnisse zur Sprache zu bringen, um sie zu überwinden. Nachdem jeder neue Tag die Kluft zwischen dem Paar grösser werden liess, stellt Dschawad seine schwangere Frau eines Tages vor die Wahl: Entweder kommt sie mit ihm nach Europa und wird selbst zur Asylbewerberin – oder sie bleibt alleine zurück.

Die neun Monate der Schwangerschaft sind die erzählte Zeit, von der aus sich die Protagonistin zurückerinnert, und so ihre Familiengeschichte und die Geschichte befreundeter Figuren erzählt. Der Roman ist damit auch als eine Abrechnung mit den Lebensumständen unter dem totalitären Regime in Syrien zu lesen, die seit den Aufständen des arabischen Frühlings 2011 eine neue Dimension gewonnen hat.

Über die Autorin / über den Autor:

Rosa Yassin Hassan, geboren 1974 in Damaskus, studierte Architektur an der Universität von Damaskus. Sie arbeitet für mehrere syrische und arabische Zeitungen und Magazine als freie Literaturjournalistin. Sie ist Aktivistin in der Frauenbewegung und Gründungsmitglied des Vereins "Frauen für Demokratie". 

Bereits 1992 und 1993 wurde sie für ihre Kurzgeschichten mit dem Literaturpreis Beirut 39 ausgezeichnet. Seit Beginn des syrischen Aufstands berichtet sie in Printmedien und Internet über den Alltag der Menschen in Syrien. Sie veröffentlicht in einem Blog "Tagebuch der syrischen Revolution". Auszüge aus dem Tagebuch wurden 2012 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie Bild-online veröffentlicht.

Preis: CHF 31.90
Sprache: Deutsch (aus dem Arabischen von Stephan Milich und Christine Battermann)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2013 (2009)
Verlag: Alawi Verlag
ISBN: 978-3-941822-10-8
Masse: 342 S.

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