Paolo Giordano

Den Himmel stürmen

Bald packt einen die Geschichte der vier Jugendlichen, die sich mit vierzehn, fünfzehn Jahren während des Sommers in Apulien kennenlernen. Während Teresa nur in den Ferien mit ihrem Vater bei der Grossmutter zu Besuch ist, leben Bern, Tommaso und Nicola auf dem Nachbarhof mit Cesare und Fiorentina. Nur Nicola ist deren leiblicher Sohn, die beiden anderen ziehen sie als Pflegeeltern auf. In einer eigenen religiös verbrämten Idee von Gemeinschaft und Leben mit der Natur wachsen die drei auf. Bald gehört auch Teresa dazu. Mehrheitlich aus der Perspektive von Teresa erfahren wir dann die weiteren Ereignisse, Phasen, die sie nicht erlebt hat, erfährt die Leserin aus dem Munde Tommasos, in der Jetztzeit, 2012.

Der Roman erzählt insbesondere die Liebe zwischen Bern und Teresa, deren Versuch gemeinschaftlich mit einer Gruppe den Hof in Apulien biologisch zu bewirtschaften, ihr Versuch ein Kind zu kriegen, sich den Rhythmen der Natur unterzuordnen. Doch natürlich tun sich bald Risse auf, und die füllen sich mit nichts Gutem.

Der Geschichte folgt man leicht und lässt sich in ihren Bann ziehen. Bei einigen der Themen möchte man allerdings mehr wissen, über die Umweltaktivisten, die kollektiven Versuche das Land zu bebauen, vielleicht auch über die Art und Weise wie Teresa ihre Entscheidungen trifft. Manchmal nimmt die Geschichte auch ganz abrupte Wendungen, die ein wenig weit hergeholt scheinen. Doch Giordano schafft es, ein Gefühl der Kälte und der Leere aufzubauen, das er mit einer grossen Sehnsucht nach Gemeinschaft und auch nach Einheit mit der Natur füllt. cn

Klappentext:

Teresa stammt aus einer wohlsituierten Turiner Familie. Bern, Tommaso und Nicola wachsen auf einem Hof in Apulien weitgehend ohne Eltern auf, ohne Schulunterricht. Sie sind auf der Suche nach dem, was wirklich zählt im Leben. Bedingungslos, wild, voller Verlangen und voller Neugierde. Bern wird Teresas erste grosse Liebe, aber eines Tages verschwindet er spurlos. Als er wieder in ihr Leben tritt, trifft Teresa eine unumkehrbare Entscheidung. Denn Bern zieht die anderen an wie ein Magnet, er verkörpert etwas, das Teresa nicht kannte: die absolute Leidenschaft. Doch da sind auch noch Tommaso und Nicola.

Über zwanzig Jahre hinweg – von den Neunzigern bis heute – verfolgt Paolo Giordano das Leben von vier Freunden, die sich immer wieder finden und verlieren. Sie betreiben gemeinsam einen Ökohof, leben selbstbestimmt, dem Rhythmus der Natur angepasst. In ihrer Sehnsucht nach einer alternativen Welt sind sie zu allem bereit. Sie kennen keine Grenzen, sie wollen den Himmel stürmen.

Mit einer emtionalen Präszision wie kein Zweiter schreibt der promovierte Physiker Paolo Giordano über Jugend im 21. Jahrhundert, über Liebe, Freundschaft und Verlust, über Sehnsucht und Begehren und darüber, wie die Menschen, die wir vermissen, unser Leben oft mehr bestimmen als die, die uns umgeben.

Über die Autorin / über den Autor:

Paolo Giordano wurde 1982 in Turin geboren, wo er Physik studierte und mit einer Promotion in Theoretischer Physik abschloss. Sein erster Roman Die Einsamkeit der Primzahlen war ein internationaler Bestseller. Er wurde in über vierzig Sprachen übersetzt und verfilmt. Giordano erhielt dafür mehrere Auszeichnungen, darunter den angesehensten italienischen Literaturpreis, den Premio Strega. Den Himmel stürmen ist sein vierter Roman. Paolo Giordano lebt in Rom.

Barbara Kleiner, geboren 1952, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, lebt in München. Sie ist die Übersetzerin u.a. von Primo Levi, Ippolito Nievo, Italo Svevo, Davide Longo; ausgezeichnet 2007 mit dem Übersetzerpreis der Kulturstiftung Nordrhein-Westfalen und mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis 2011.

Preis: CHF 30.90
Sprache: Deutsch (aus dem Italienischen von Barbara Kleiner)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2018
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-498-02533-5
Masse: 525 S.

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