Esther Kinsky

Hain. Geländeroman

Grossartige Reise- und Erinnerungsliteratur für alle Italieninteressierten.

Esther Kinsky ist ein wunderbares Werk gelungen! Ich habe mir den Roman in genüsslicher Melancholie und wie ein exzellentes Stück Schokoladenkuchen einverleibt. (Für diejenigen unter Ihnen, die nicht dem Süssen verfallen sind, stellen Sie sich anstelle meines Kuchens Ihr Lieblingsgetränk oder Ihre Lieblingsspeise vor.)

Der Aufbau (drei Hauptkapitel unterteilt in 28, 17, 14 Unterkapitel mit jeweils Ein-Wort-Überschriften) erlaubt ein Lesen in Etappen oder, wie es einen gerade gelüstet, auch in einem Zug. Doch gerne hielt ich inne, wenn auch nur für fünf Minuten, und liess den Geschmack des eben Verzehrten nachklingen. 

In einer präzisen, schönen Sprache, die beinahe ohne Vergleiche auskommt (wie wohltuend!), formuliert die Ich-Erzählerin ihre gedanklichen Beobachtungen und unterlässt belehrende Exkurse in die Geschichte. Historische Zusammenhänge werden jeweils angedeutet, angestossen und flackern wie nebenbei auf. Filmartig kreiert ihr sorgfältiges Beobachten intelligent eine leise Sinfonie des Reisens und Erinnerns. ap

Klappentext:

Drei Reisen unternimmt die Ich-Erzählerin in Esther Kinskys "Geländeroman". Alle drei führen sie nach Italien, doch nicht an die bekannten, im Kunstführer verzeichneten Orte, nicht nach Rom, Florenz oder Siena, sondern in abseitige Landstriche und Gegenden – nach Olevano Romano etwa, einer Kleinstadt in den Hügeln nordöstlich der italienischen Hauptstadt gelegen, oder in die Valli di Comacchio, die Lagunenlandschaft im Delta des Po, halb von Vögeln beherrschte Wasserwelt, halb dem Wasser abgetrotztes Ackerland. Zwischen diesen beiden Geländeerkundungen im Gebirge und in der Ebene führt die dritte Reise die Erzählerin zurück in die Kindheit: Wie bruchstückhafte Filmsequenzen tauchen die Erinnerungen an zahlreiche Fahrten durch das Italien der Siebzigerjahre auf, dominiert von der Figur des Vaters.

Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik 2018 und dem Düsseldorfer Literaturpreis 2018.

Über die Autorin / über den Autor:

Esther Kinsky, geboren 1956, hat Slawistik und Anglistik in Bonn und Toronto studiert. Sie arbeitet als Übersetzerin aus dem Polnischen, Englischen und Russischen. Ihr übersetzerisches Oeuvre umfasst u.a. Werke von Ida Fink, Hanna Krall, Ryszard Krysnicki, Aleksander Wat, Joseph O'Connor und Jane Smiley. Esther Kinksy lebt in Berlin. 2009 erhielt sie den Paul-Celan-Preis und 2011 den Karl-Dedecius-Preis. Im Jahr 2015 wurde sie mit dem Kranichsteiner Literaturpreis ausgezeichnet.

Preis: CHF 33.90
Sprache: Deutsch
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2018
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-42789-7
Masse: 287 S.

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