Najat El Hachmi

Am Montag werden sie uns lieben

Ein starker und scharfsinniger Roman. Am Montag werden sie uns lieben überzeugt durch die Authentizität, Klarheit und Intensität wie Gefühle und Gedanken zweier junger Frauen dank des geschriebenen Wortes fassbar gemacht werden. Immer wieder verweist die Autorin auf die Bedeutung des Schreibens als Weg der Befreiung, des Verstehens, des Vermittelns und Übersetzens. Der Roman ist gleichzeitig auf Spanisch und Katalanisch veröffentlicht worden. Die Autorin selbst sagt dazu: "Ich hatte grosse Lust, das Kastilische als Sprache auch für mein literarisches Schreiben zu erkunden. Zugleich wollte ich aber nicht auf die Sprache verzichten, in der ich seit jeher geschrieben habe. Deshalb habe ich bei der Arbeit an dem Roman immer wieder hin und her gewechselt zwischen Kastilisch und Katalanisch."

Zudem ist Najat El Hachmi in der Berber:innen Sprache heimisch, die Sprache ihrer Mutter. Auch ihre Protagonistinnen bewegen sich in unterschiedlichen Lebens- und Sprachwelten. So wachsen sie in berberisch-marokkanischen Migrant:innenhaushalten in einer Siedlung an der Peripherie von Barcelona auf, wo sie sich zunehmend einer restriktiven Haltung gegenüber Mädchen und Frauen ausgesetzt sehen und sich gleichzeitig mit den Anforderungen der Mehrheitsgesellschaft zurechtfinden müssen. In Am Montag werden sie uns lieben wird der in der Leitkultur immanente Rassismus, die konstitutive Macht der Klassenzugehörigkeit, die Frauenfeindlichkeit und der Islamismus klarsichtig entblösst. Die Ich-Erzählerin, deren Name nur einmal gegen Ende des Romans auftaucht, offenbart gleich zu Beginn die Notwendigkeit ihres Erinnerns: Sie will wieder das Mädchen, das sie einmal war, finden, was auch ein Wiedersehen mit ihrer zur Heimat gewordenen Freundin bedeutet. Sie tut es aber auch aus einer Dringlichkeit heraus, die sie beim Anblick der vielen Mädchen, die aus den gleichen Vierteln, mit den gleichen Familien kommen, verspürt. Najat El Hachmi schreibt aus einer klar postmigrantischen Position heraus. Sehr empfehlenswert! ap

Klappentext:

Eine junge Frau marokkanischer Herkunft wächst zwischen den religiösen und kulturellen Zwängen ihres muslimisch geprägten Umfelds an der Peripherie von Barcelona auf. Sie sehnt sich nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben.

Alles beginnt an jenem Tag, an dem sie ein Mädchen kennenlernt, das sich den Herausforderungen ihres Lebens als Frau selbstbewusst und entschlossen stellt. Gemeinsam mit ihrer neuen Freundin versucht sie der sozialen Konstrolle und der Perspektivlosigkeit zu entkommen. Doch wird ihnen die Befreiung gelingen?

Über die Autorin / über den Autor:

Najat El Hachmi ist eine katalanisch-marokkanische Autorin, die im Alter von acht Jahren gemeinsam mit ihrer Familie von Marokko nach Spanien migrierte und heute in Barcelona lebt. El Hachmis Werk beschäftigt sich mit den Themen Identität, kulturelle Verwurzelung und Entfremdung und der Bedeutung des Frauseins in der muslimischen Kultur. Najat El Hachmi ist in Europa eine der kritischsten Stimmen gegen radikalen Islamismus und die damit verbundene Unterdrückung von Frauen. 2021 erhielt sie für Am Montag werden sie uns lieben den renommierten Nadal-Literaturpreis.

Michael Ebmeyer ist Autor und Übersetzer aus dem Spanischen, Katalanischen und Englischen. Er hat Romane wie Plüsch, Der Neuling (verfilmt als Ausgerechnet Sibirien) und Landungen, aber auch Sachbücher wie die Gebrauchsanleitung für Katalonien gechrieben. Für Orlanda übersetzte er bereits Najat El Hachmis Roman Eine fremde Tochter.

Preis: CHF 30.90
Sprache: Deutsch (aus dem Katalanischen von Michael Ebmeyer)
Art: Broschiertes Buch
Erschienen: 2022 (2020)
Verlag: Orlanda
ISBN: 978-3-949545-00-9
Masse: 271 S.

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