Alfons Cervera

Die Farben der Angst

Sehr beeindruckt habe ich das Bändchen nach der Lektüre weggelegt. In karger Sprache zeigt Die Farben der Angst anhand von individuellen Geschichten, die sich oft auf das gleiche Ereignis beziehen, jedoch aus einer anderen Perspektive erzählt werden, die Möglichkeit von Widerstand nach einer Niederlage auf. Alfons Cervera lässt die Verliererinnen und Verlierern im Spanischen Bürgerkrieg zu Wort kommen, und zwar sind es die Bewohnerinnen und Bewohner eines Dorf in den Bergen bei Valencia. Sie sind inzwischen alle zwischen 80 und 90 Jahre alt und versuchen sich nun an ihre Kindheit oder Jugendzeit gleich nach dem Ende des Krieges zu erinnern. Damals musste jede und jeder für sich herausfinden, wie sie/er sich in dieser Gesellschaft nun zurechtfinden konnte ohne sich selbst zu verleugnen. Wie war Widerstand und Überleben möglich, wenn der Feind nun das Sagen hatte? Dabei spielte die Angst und der Schrecken immer mit. Und tut es auch heute weiterhin, zu schmerzhaft ist das Erinnern. Trotzdem versuchen sie das Geschehene in Worte zu fassen, wenn sie ihnen auch immer wieder zu entgleiten drohen. Wahrhaftiges fernab von Pathos. Unbedingt lesen! ap

Klappentext:

Los Yesares, ein armes Dorf in der Serranía, dem bergigen Hinterland von Valencia. Eine französische Studentin, die dorthin kommt, um Material über den Alltag in den ersten Jahren nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs zu sammeln. Die Stimmen der Frauen und Männer, die ihr erzählen, wie es ihnen damals ergangen ist – als sie jung waren und als Republikaner, als politisch Verfemte, als Kinder von "Roten" von den frankistischen Machthabern misshandelt und gedemütigt wurden. Wie sie stillgehalten oder sich heimlich gewehrt haben. Und wie die Furcht vor Repressalien ihr Erinnerungsvermögen bedroht hat.

Die Farben der Angst ist Teil eines einzigartigen Romanzyklus, mit dem Alfons Cervera das Schweigen über die Verbrechen der Francodiktatur und deren Folgen für das Leben der Besiegten gebrochen hat. In farbigen, überaus anschaulich geschilderten Episoden lässt er diejenigen zu Wort kommen, die sich weder von Gewalt und Willkür der Herrschenden noch von der eigenen Ohnmacht kleinkriegen liessen. Ihre Geschichten handeln vom unbändigen Willen, das Unrecht nicht hinzunehmen, und damit von der Würde derer, die in den Geschichtsbüchern für gewöhnlich nur als Randnotiz vorkommen.

Über die Autorin / über den Autor:

Alfons Cervera, geboren 1947 in Gestalgar (Valencia), ist Autor von mehr als 20 Werken auf Spanisch und auch auf Katalanisch. Ein wichtiger Teil seiner erzählerischen Arbeit ist mit dem historischen Gedächtnis verbunden. Mehrere seiner Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt, vor allem ins Französische, wo einige von ihnen Teil des literarischen Kanons in den Schulen sind. Zuletzt erschienen: La noche en que los Beatles llegaron a Barcelona (2018).

Erich Hackl, geboren 1954 in Steyr, lebt als Schriftsteller, Journalist und Übersetzer aus dem Spanischen (u.a. Eduardo Galeano, Idea Vilariño und Ana María Rodas) in Wien und Madrid.

Preis: CHF 32.30
Sprache: Deutsch (aus dem Spanischen von Erich Hackl)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2020 (2005)
Verlag: bahoe books
ISBN: 978-3-903290-31-0
Masse: 200 S.

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