Bianca Garufi, Cesare Pavese

Grosses Feuer

Klappentext:

Obwohl Silvia Giovanni vor ein paar Monaten verlassen hat, bittet sie ihn, nach Süditalien mitzukommen. Ein dringendes Telegramm ihrer Familie hat sie erreicht. Im Dorf blickt man zu Boden, als man Silvia nach so langer Zeit wiedererkennt. Als junges Mädchen ist sie von dort abgehauen, jetzt ringt in diesem alten Zuhause der zehnjährige Giustino mit dem Tod. Die Worte der Mutter und des Stiefvaters bei Tisch, die mehr verbergen als erkennen lassen, kann Giovanni nicht deuten. Auch Silvias Störrigkeit verwirrt ihn. Erst als er nachts allein in dem dunklen Zimmer sitzt, überkommt ihn eine Ahnung, dass vor zehn Jahren etwas passiert sein muss, das nicht wiedergutzumachen ist.

Mit dem literarischen Abenteuer eines vierhändig geschriebenen Romans sorgten Cesare Pavese und Bianca Garufi bei seinem Erscheinen 1959 in Italien für grosses Aufsehen. Die wechselnde Erzählperspektive legt Schicht für Schicht nicht nur die Missverständnisse zwischen den beiden Liebenden offen, sondern auch Unerhörtes. Denn der im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannte Roman überrascht nicht nur formal: Grosses Feuer erzählt von der Vergewaltigung eines jungen Mädchens, der eisernen Verschwiegenheit und den Verstrickungen einer Familie – von einer Fatalität, die an griechische Tragödien erinnert. 1946 verfasst, war der Roman seiner Zeit weit voraus und ist nun in Neuübersetzung zu entdecken.

Über die Autorin / über den Autor:

Bianca Garufi (1918–2006) war Schriftstellerin, Übersetzerin und Psychoanalytikerin. Sie stammte aus der sizilianischen Aristokratie. Während des Zweiten Weltkriegs war sie an der Seite von Fabrizio Onofri im antifaschistischen Widerstand aktiv. Von 1944 bis 1958 Mitarbeit beim Verlag Einaudi in Rom, wo sie zum Kreis um Cesare Pavese und Natalia Ginzburg gehörte. 1951 Abschluss des Literatur- und Philosophiestudiums an der Universität von Messina mit einer Dissertation über Carl Gustav Jung. Es folgten mehrere Veröffentlichungen, in denen sie sich für die Emanzipation der Frau starkmachte.

Cesare Paves, 1908 geboren, wuchs in Santo Stefano Belbo, Piemont, und in Turin auf. Als er sechs Jahre alt war, starb sein Vater. Nach dem Philologiestudium Übersetzung von englischer und amerikanischer Literatur. 1935 Verbannung nach Kalabrien. 1938 Eintritt in das Verlagshaus Einaudi. Pavese gilt als Begründer der modernen italienischen Literatur. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen Der Mond und die Feuer (1950) und das Tagebuch Das Handwerk des Lebens (1952). Für Der schöne Sommer erhielt Pavese 1950 den Premio Strega. Im August desselben Jahres, auf dem Höhepunkt seines literarischen Erfolgs, nahm er sich in einem Turiner Hotelzimmer das Leben.

Maja Pflug übersetzt seit über 30 Jahren italienische Literatur ins Deutsche, u.a. Natalia Ginzburg, über die sie auch eine Biographie schrieb, Pier Paolo Pasolini, Cesare Pavese, Fabrizia Ramondino und Donatella Di Pietrantonio. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis für das Lebenswerk. Maja Pflug lebt in Italien und München.

Preis: CHF 27.00
Sprache: Deutsch (aus dem Italienischen von Maja Pflug)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2022 (1959)
Verlag: Atlantis
ISBN: 978-3-7152-5014-4
Masse: 128 S.

zurück