Concetto Vecchio

Jagt sie weg! Die Schwarzenbach-Initiative und die italienischen Migranten

Im Original lautet der Untertitel des Buches Quando i migranti eravamo noi, auf Deutsch: Als wir die Migranten waren. Concetto Vecchio geht es also nicht nur um das Gestern, sondern auch um das Heute. Sein Buch ist erschütternd, will aufrütteln und der italienischen Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Daraus entsteht eine bewegende Spurensuche. Entlang dem Lebensweg seiner Eltern erhalten die zahlreich aufgeführten Statistiken und Zeitungsberichte, Spielfilme, Dokumentarfilme und Romane ein persönliches Gesicht. Die Schweiz als Wiege des Rechtspopulismus, die den salonfähigen Fremdenhass einführte.

Wie wenig wusste ich doch über den familiären Hintergrund dieses Schweizers aus sehr reichem Hause, dessen Cousine Annemarie Schwarzenbach war. Unweigerlich drängen sich Parallelen zu Judith Giovannelli-Blocher und ihrem Bruder Christoph Blocher auf. Unter der Führung der SVP ging 2014 leider mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative die giftige Saat des Fremdenhasses von James Schwarzenbach auf. Wie kann diesen menschenverachtenden Tendenzen Einhalt gegeben werden? Jagt sie weg! von Concetto Vecchio bietet mit seiner Reise in die nahe Vergangenheit einige Schlussfolgerungen an. Ein sehr wichtiges Buch! ap

Klappentext:

1968 lanciert Nationalrat James Schwarzenbach eine Initiative mit dem Ziel, die Überfremdung der Schweiz zu verhindern und mehr als 300'000, vorwiegend italienische Gastarbeiter nach Hause zu schicken. Dies ist der Startschuss zu einer beispiellosen Hetzkampagne, die über Jahre andauert, die Schweizer Bevölkerung entzweit und 1970 nur hauchdünn verworfen wird.

In seinem halb autobiografischen, halb historischen Buch erzählt Concetto Vecchio von seinen Eltern, einfachen Sizilianern, und von weiteren Migranten, die in den 1960er-Jahren ihr Glück in der Schweiz suchten, aber auf unverhohlenen Fremdenhass stiessen, als Arbeitskräfte ausgebeutet und als Menschen ausgegrenzt wurden. Unerbittlich lässt Vecchio die beiden Welten aufeinanderprallen: diejenige von Schwarzenbach, der als Vorläufer der heutigen Rechtspopulisten gilt, sowie diejenige der entwurzelten Gastarbeiter, die dem Nachbarland einen Wirtschaftsboom bescherten und dennoch auf Hass und Ablehnung stiessen. So unvorstellbar die institutionelle Diskriminierung und der soziale Ausschluss der Italiener aus heutiger Sicht sind, so zeigt der Rückblick dennoch, dass sich an der Debatte inhaltlich wenig geändert hat.

Über die Autorin / über den Autor:

Concetto Vecchio ist als Kind italienischer Gastarbeiter 1970 in der Schweiz geboren. Als er 14 Jahre alt war, zog die Familie zurück nach Sizilien. Vecchio arbeitet als Politikjournalist für die Tageszeitung Repubblica, ist Autor diverser Bücher und lebt in Rom.

Preis: CHF 23.00
Sprache: Deutsch (aus dem Italienischen von Walter Kögler)
Art: Broschiertes Buch
Erschienen: 2020 (2019)
Verlag: Orell Füssli
ISBN: 978-3-280-05055-2
Masse: 219 S.

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