Gianrico Carofiglio

Drei Uhr morgens

Antonio lebt zusammen mit seiner Mutter. Der Vater hat die Familie schon vor einigen Jahren verlassen. Der aufgeweckte, interessierte und vor allem auch mathematisch und zeichnerisch sehr begabte Antonio leidet unter eigenartigen Zuständen, die bald als Epilepsie diagnostiziert werden. Durch die Medikamente, aber auch durch das Wissen über seine Krankheit, wird Antonio immer antriebsloser und in seiner eigenen Wahrnehmung immer mittelmässiger. Als Antonio achtzehn wird, reist er und sein Vater zum Epilepsie-Spezialisten nach Marseille, um herauszufinden, ob er nun von seiner Krankheit geheilt ist. Unverhofft ordnet der Arzt eine letzte Untersuchung an: Antonio soll zwei Tage und zwei Nächte schlaflos bleiben. Wenn er das durchhalte, dann sei er geheilt. Unangekündigt und unerwartet finden sich Vater und Sohn, die seit der Trennung ein distanziertes Verhältnis zueinander haben, an einem fremden Ort ohne Verpflichtungen und ohne Bekannte wieder. Was die beiden aus diesen unverhofften Tagen machen, wie sie sich einander annähern, Verschüttetes nach oben kommt, Bilder zerstört werden und sich neu formen, das ist das Herzstück dieses berührenden Textes.

Die Annäherung zwischen Vater und Sohn wird wie die Reise in eine fremde Stadt geschildert, die zu Beginn so fremd und gefährlich scheint und dann vertraut und wunderschön wird. Und sie erlaubt Antonio die verschütteten Teile seiner selbst wieder auszugraben und sich mit ihnen anzufreunden, seine Talente und seine Wünsche wiederzufinden. Zwei Tage "Unverhofftheit", in die Vater und Sohn eintauchen können. cn

Klappentext:

Eine Fahrt nach Marseille wird für Antonio und seinen Vater zu einer Reise in die Erinnerung und nach innen. Der verschlossene Gymnasiast muss zu einer neurologischen Untersuchung, die vorschreibt, zwei Tage und zwei Nächte ohne Schlaf zuzubringen. Sein Vater, der früh die Familie verlassen hat und zu dem er ein kühles Verhältnis hat, begleitet ihn. Erstmals erfahren die beiden eine nie gekannte Intimität: Der Vater erzählt von seiner Jugend, von der Bekanntschaft mit der Mutter des Jungen – der Sohn von seinen Hoffnungen und Ängsten. Der Aufenthalt vollzieht sich zwischen Wachzustand und Erschöpfung, er führt in anrüchige Viertel, an atemberaubende Strände, ins Herz der pulsierenden Stadt. Eine Begegnung, die zwei Menschen für immer verändert.

Über die Autorin / über den Autor:

Gianrico Carofiglio, geboren 1961 in Bari, war viele Jahre Antimafia-Staatsanwalt in Bari, 2007 Berater des italienischen Parlaments im Bereich organisierte Kriminalität, 2008–2013 Senator. Er ist Autor zahlreicher preisgekrönter Krimis, die in 24 Sprachen übersetzt wurden. Auf Deutsch bei Folio: Carlotto/Carofiglio/De Cataldo: Kokain. Crime Stories (2013) und Trügerische Gewissheit (2016).

Preis: CHF 28.90
Sprache: Deutsch (aus dem Italienischen von Verena Koskull)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2019 (2017)
Verlag: Folio
ISBN: 978-3-85256-769-3
Reihe: Transfer Europa
Masse: 180 S.

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