Cristina Cattaneo

Namen statt Nummern. Auf der Suche der Opfer des Mittelmeers

Ein aussergewöhnliches Buch, reich an interessanten und berührenden Informationen. Ich habe sehr viel über eine Tätigkeit erfahren, von der ich kaum eine Vorstellung hatte. Sachlich, ruhig und mit präziser Sprache führt uns Christina Cattaneo in ihre Arbeit als Forensikerin ein. Im Zentrum steht die Identifizierung der Opfer der grossen Schiffsunglücke vor Lampedusa von 2013 und 2015 und die damit verbundene Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteurinnen: italienische Marine, Feuerwehr, Universitäten, Gerichtsmedizinerinnen, Zahnärzte und NGO's. Dank dieser genauen Beschreibung der Vorgänge fern jeglicher soziopolitischen Aufregung schaffte Christina Cattaneo, dass ich bei einem so schwierigen Thema wie die Identifizierung von Leichen genau hinschauen und mich darauf einlassen konnte. Es ist diese lösungsorientierte und empathische Art der Autorin, die der Leserin und dem Leser die Fenster zu einer Welt abseits vom Alltag öffnet und Verständnis für wichtige Fragestellungen schafft. Sehr eindrücklich! Unbedingt lesen! ap

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Klappentext:

Der 3. Oktober 2013 hat die jüngere europäische Geschichte verändert. Und das Leben von Cristina Cattaneo. An jenem Tag sank ein hoffnungslos überfülltes Boot mit über fünfhundert Menschen an Bord vor der Küste Lampedusas. Cattaneo, Forensikerin aus Mailand, die normalerweise bei der Aufklärung von Kriminalfällen behilflich ist, hat sich seitdem der Identifizierung der Opfer verschrieben. Kurz zuvor war ihr Vater verstorben, und sie, die sich jahrzehntelang beruflich mit dem Tod beschäftigt hatte, spürte plötzlich am eigenen Leib, wie sich der Verlust eines geliebten Menschen anfühlt. Sie konnte ihren Vater bestatten – doch die Angehörigen derer, die im Mittelmeer ertranken, können das nicht. Ihre Söhne, Mütter, Geschwister starben ohne Namen.

Cattaneo wurde klar: Eine Gesellschaft wird nicht nur daran gemessen, wie sie sich um die Lebenden kümmert. Sondern auch um die Toten. Seit jenem Tag analysiert sie in ihrem Labor DNA, begutachtet verwaschene Dokumente, Knochensplitter, Zahnbürsten, Kinderzeichnungen. Ein Name allein mache aus einer blossen Statistik bereits einen Menschen, sagt sie, es sei das einzige Mittel gegen die Gleichgültigkeit. Ihr Buch ist die aufrüttelnde Schilderung eines hartnäckigen, unerschrockenen Einsatzes für die Menschenwürde.

Über die Autorin / über den Autor:

Cristina Cattaneo ist Professorin für forensische Medizin an der Universität Mailand und Leiterin des Instituts Labanof, das federführend ist bei der Identifizierung der Opfer der grossen Schiffsunglücke vor Lampedusa von 2013 und 2015. Es ist auch ihrer Hartnäckigkeit zu verdanken, dass dieses Projekt seitens der italienischen Behörden und in Kooperation mit dem IKRK ins Rollen kam. In den fünf Jahren ihrer Arbeit ist es ihr bislang gelungen, 37 Personen zu identifizieren. Ein Dokumentarfilm über Cristina Cattaneo kommt Ende 2020 in die Kinos.

Preis: CHF 28.00
Sprache: Deutsch (aus dem Italienischen von Barbara Sauser)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2020 (2019)
Verlag: Rotpunktverlag
ISBN: 978-3-85869-866-7
Masse: 208 S.

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