Jabbour Douaihy

Morgen des Zorns

Im Juni 1957 hat in einer Kirche der Kleinstadt Barka eine Massenschiesserei zwischen zwei verfeindeten Familien stattgefunden. Mehr als zwei Dutzend Leute sterben dabei. Douaihy geht diesem Ereignis vierzig Jahre später auf den Grund, indem er den Sohn eines der Opfer aus Amerika zurückkommen lässt, wohin ihn die Mutter geschickt hatte, als die Situation im Libanon sich immer weiter verschlechterte. Verschiedene Geschichten, von der Familie, Opfern, Tätern zeichnen das feine Gewebe der Stadt und der Politik, die zu immer drastischeren Ereignissen geführt hat. Das Ende ist pessimistisch: Elia, der zurückgekommene Sohn, kann sich mit dieser – seiner – Geschichte nicht abfinden und wird immer weitere Alternativgeschichten erzählen, um sich nicht mit seiner Herkunft auseinanderzusetzen. Auch weil es nicht eine Wahrheit zu den Geschehnissen gibt. Die detailreichen Beschreibungen des Alltags dieser Stadt erlauben, sich eine sehr konkrete Vorstellung von den Menschen, den Plätzen, den Beziehungen zu machen. Ein wunderbares Buch! cn

Klappentext:

Elia ist ein zerrissener, beziehungsunfähiger Mann, der ständig Geschichten über die eigene Herkunft erfindet, seitdem seine Mutter ihn aus dem Libanon in die USA schickte. Seinen Vater Jûssef hat er nie kennengelernt; dieser wurde 1957 während eines Gottesdienstes bei einer Blutfehde zwischen zwei maronitischen Familienclans erschossen. Genau neun Monate und zwei Wochen später kam Elia auf die Welt – für die Dorfbewohner damals ein Grund mehr, die von aussen gekommene, jahrelang kinderlos gebliebene Mutter zu beargwöhnen. Es ist ein Klima von Misstrauen, Bruderhass und Rache, in dem "jeder Tod einen weiteren mit sich bringt", dem Elia entkommen sollte. Doch die Frage nach seinen Wurzeln treibt ihn schliesslich in seine Heimat zurück. In Morgen des Zorns erzählt Jabbour Douaihy von den Gefahren des Gemeinschaftsdenkens und spürt der Spirale der Gewalt im Nahen Osten nach.

Über die Autorin / über den Autor:

Jabbour Douaihy wurde 1949 in Zghorta, Nordlibanon, geboren. Er ist im Juli 2021 gestorben. Er war Professor für französische Literatur an der Universität von Beirut und zählte zu den bedeutendsten Intellektuellen des Landes. Douaihy war Autor mehrerer Romane und Kinderbücher. Mit Morgen des Zorns war er Finalist des arabischen Booker-Preises.

Preis: CHF 35.90
Sprache: Deutsch (aus dem Arabischen von Larissa Bender)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2012 (auf arabisch 2006)
Verlag: Hanser Verlag
ISBN: 978-3-446-23852-7
Masse: 350 S.

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