Enes Karić

Der Jüdische Friedhof

In diesem Roman erzählt Enes Karić vom Alltag muslimischer Kriegsflüchtlinge in Bosnien. Sadik, der zu Kriegsbeginn erst 13 Jahre alte Ich-Erzähler, wissensdurstig und neugierig, hat zusammen mit seiner älteren Schwester in der umzingelten Hauptstadt Bosniens Unterschlupf in einer Kellerwohnung gefunden. Dort leben die beiden mit der alten Alice den Krieg hindurch und hoffen auf eine Ausreise nach Europa. 

Sadik handelt mit Hilfsgütern, er hält sich – wie viele andere Menschen in Sarajevo – auch mit Betteln und Gelegenheitsdiebstählen über Wasser – stets bedroht vom Granatenbeschuss aus den umliegenden Bergen. Unentwegt erschliesst er neue Quellen des Überlebens und sammelt Nachrichten, um zu erfahren, wie der Krieg sich entwickelt. Als Sadiks Schwester bei der Geburt von Zwillingen in einem Krankenhaus in Sarajevo an Entkräftung stirbt, erreicht Sadik das, was er sich eigentlich für sich und seine Schwester gewünscht hatte: Er wird aus Sarajevo evakuiert und kommt mit seinen Nichten nach Amsterdam, wo er versucht, eine neue Heimat zu finden.

Der jüdische Friedhof ist ein absolut lesenswertes Buch, es hat mich nicht mehr losgelassen. Trotz der Tragik, des unvorstellbaren Horrors für alle Menschen, die diesen unsäglichen Krieg miterlebten, gelingt es dem Schriftsteller, mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. So wunderschön und poetisch, warm und herzlich ist diese Geschichte erzählt. Dass die Geschichte in Holland endet hat wohl eine spezielle Bedeutung – es waren Holländer, die den Völkermord in Srebrenica nicht verhindern konnten. Sadik mit seinen zwei Nichten aber kann schlussendlich Frieden finden in einem Land, das im bosnischen Krieg versagt hat.

Während einer Reise durch Bosnien habe ich das Buch gelesen. So hat die Lektüre mein Herz in und für Bosnien geöffnet. Unbefangen jedenfalls kommt man aus Bosnien-Herzegowina und auch aus dieser Geschichte nicht hinaus. Astrid Rana

Klappentext:

Zu Beginn des Bosnienkrieges 1992 wird der dreizehnjährige Sadik aus einem kleinen ostbosnischen Dorf verschleppt und im Zuge eines Gefangenenaustauschs in die Hauptstadt seines Landes geschleust. Ohne jegliche Dokumente ist er ein Mensch ohne Identität, ein Kind noch, das in der belagerten Stadt zu überleben versucht. In Sarajevo teilt er das Schicksal der Bewohner dieser Stadt, lernt Flüchtlinge, Bettler, Soldaten, Kriminelle, Mitarbeiter humanitärer Hilfsorganisationen, Einheimische und Ausländer kennen; und er schliesst Freundschaft mit vielen. Einer der interessantesten Menschen für den jungen, neugierigen und wissbegierigen Sadik ist ein gewisser Hodscha Mujki, der ihn mit ungewöhnlichen Menschen und Ereignissen in Verbindung bringt.

Über die Autorin / über den Autor:

Enes Karić wurde 1958 in Travnik, Bosnien, geboren. Er ist ein bosnischer Islamwissenschaftler, Hochschulprofessor und Schriftsteller. Er unterrichtet an der Universität Sarajevo als ordentlicher Professor, wo er in seinem Spezialgebiet, der Geschichte und Methodik der Koranexegese, tätig ist.

Preis: CHF 26.90
Sprache: Deutsch (aus dem Bosnischen von Silvia Sladić)
Art: Taschenbuch
Erschienen: 2016 (2011)
Verlag: Hans Schiler
ISBN: 978-3-89930-005-5
Masse: 566 S.

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