Slavenka Drakulić

Keiner war dabei. Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht.

Das Buch beschreibt einzelne Szenen bei den Kriegsverbrecherprozessen zu Ex-Jugoslawien in Den Haag. Ein tiefer Abrund tut sich auf, einerseits die Grässlichkeit der Taten, die die einzelnen Porträtierten begangen haben, andererseits aber auch die Unverständlichkeit der Gründe, wieso sie sie begangen haben. Die meisten von ihnen waren vor dem Krieg gut integriert, hatten keine Feindschaften mit den anderen Nationalitäten/Religionen, ja sie waren teilweise ausgesprochen liebenswerte, hilfsbereite Personen. Und plötzlich ticken sie aus. Sind sie krank? Wie konnten so viele krank sein? In Jugoslawien hat fast niemand nichts zum Krieg beigetragen, in den Dörfern. Entweder vertrieben, gemordet, oder sich dann den Besitz der Vertriebenen/Verschwundenen unter den Nagel gerissen. Bei Drakulić sind es nicht Monster, die uns begegnen, sondern vielleicht tatsächlich eher Maschinen, Rädchen in einem Getriebe, die nicht alleine funktionieren können, die sich auch nicht selbständig machen können, die sich eine Selbständigkeit gar nicht vorstellen wollen. Alle Kriegsverbrecher im gleichen Gefängnis – bosnische Muslime, Kroaten, Serben – man dachte, man müsste sie voneinander isolieren, weil sie doch Todfeinde sind. Dem ist nicht so, sie verstehen sich prächtig, helfen sich gegenseitig, spielen Schach miteinander, schreiben gemeinsame Briefe an die Presse. Ein Text, der zum Denken anregt und keine einfachen Antworten bereithält. cn

Klappentext:

Die Verbrechen der Balkankriege und das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag: Wer sind die Täter und wie sind sie zu dem geworden, was sie sind? Slavenka Drakulić über Menschen und Mörder.

Über die Autorin / über den Autor:

Slavenka Drakulić, geboren 1949 in Kroatien, ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen ihres Landes. Ihre Bücher erscheinen in vielen Sprachen. Sie lebt in Kroatien, Stockholm und Wien. 2005 erhielt sie für Keiner war dabei. Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Bei Zsolnay erschienen 2007 der Roman Frida und 2008 Leben spenden. Was Menschen dazu bewegt, Gutes zu tun.

Preis: CHF 25.50
Sprache: Deutsch (von Barbara Antkowiak)
Art: Taschenbuch
Erschienen: 2004 (2003)
Verlag: Paul Zsolnay Verlag
ISBN: 978-3-552-05722-7
Masse: 198 S.

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