Stanisław Strasburger

Besessenheit. Libanon

Das Buch ist als Sachbuch-Fiktion beschrieben. Und das trifft es auch. Obwohl das erklärte Ziel ist, keine historisch-gesellschaftliche Abhandlung über den Libanon zu schreiben, lässt sich aus dem Text doch sehr viel zur Geschichte und zur aktuellen Situation des Libanon erlesen. Doch gleichzeitig ist der Erzähler ein Akteur, der in die Fakten eingreift, der diese dadurch auch nicht als unhinterfragbare objektive Tatsachen darstellt. Die Geschichte präsentiert sich vielmehr als vor- und zurück mäandernder Text mit vielen Sprüngen, Grauzonen und unendlich vielen Gesichtern. Durch Strasburgers Vorgehen, auf verschiedene Aspekte der politischen Geschichte des Libanons in einzelnen Kapiteln zu fokussieren und dann separat auch Einzelpersonen ausführlich darauf Stellung nehmen zu lassen, eröffnet sich uns ein Panoptikum, das der unvorstellbar vielfältigen Realität des Libanon wohl sehr nahe kommt. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Menschen im Libanon und eine sehr lesenswerte Einführung in das Land. cn

Klappentext:

Besessenheit.Libanon erwuchs aus einer Leidenschaft für Orte, von denen man meist nur die düsteren Bilder kennt. Die mediale Präsenz des Nahen Ostens scheint uns heute gleichzeitig aufdringlich und undurchschaubar. Stanisław Strasburger geht in seiner Geschichte darum einen anderen Weg und überschreitet in Besessenheit.Libanon bewusst die Grenzen der literarischen Gattungen. Ausgehend vom liberalen Libanon sucht er nach den historischen und politischen Wurzeln für die Diskurse im und über den heutigen Nahen Osten, aber zugleich weitet und verdichtet er seinen Bericht mit den fiktionalen Mitteln des Romanciers. Denn gerade in der Partikularität der Ereignisse und ihrer Wahrnehmung, in Vorlieben, Gefühlen, Ängsten der Menschen und ihren Beziehungen zueinander erschliesst sich für den Autor eine Gesellschaft.

Besessenheit.Libanon spielt in den Jahren zwischen 2006 und 2014 in Warschau, Köln und Beirut. Im Mittelpunkt stehen der Ich-Erzähler, ein polnisch-deutscher Reporter, seine Freundin, eine ukrainische Mathematikerin und Tänzerin aus Köln, und eine libanesisch-armenische Pharmazeutin aus Beirut. Mittels der verschachtelten Dreiecksgeschichte erzählt Strasburger von Träumen, Leidenschaften und Lebenszielen in den unterschiedlichen kulturellen Settings und entwirft damit ein Bild des Nahen Ostens, das der Fiktion ebenso entspringt, wie es den erlebten und recherchierten Fakten entspricht.

Über die Autorin / über den Autor:

Stanisław Strasburger, geboren 1975 in Warschau, ist Schriftsteller und freiberuflicher Kulturmanager. Seine Schwerpunkte sind kollektives Bewusstsein, Migration und Multikulturalität. Er leitet das städtische Residenzprogramm "Kunst und Dokument. Köln-Beirut" und ist Initiator des Kooperationsvertrages für kulturelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten.

Sein Debütroman Der Geschichtenhändler (Warschau, 2009) ist auch im Libanon erschienen und war seit Jahrzehnten der erste Roman, der aus dem Polnischen ins Arabische übersetzt wurde. Bessessenheit.Libanon ist sein erster Roman in deutscher Sprache. In Polen veröffentlicht Strasburger unter dem Pseudonym Jan Subart. Er lebt und arbeitet abwechselnd in Köln, Warschau und Beirut.

Preis: CHF 33.90
Sprache: Deutsch (aus dem Polnischen von Simone Falk)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2016
Verlag: Secession Verlag
ISBN: 978-3-905951-77-6
Masse: 352 S.

zurück