Iman Humaidan

Fünfzig Gramm Paradies

Im Zentrum des Romans steht die alles antreibende Sehnsucht, die leidenschaftliche Liebe zu erleben und vielleicht sogar zu behalten. Und die immer wiederkehrende Enttäuschung dieser Leidenschaft. Durch patriarchale Traditionen und den von ihnen geprägten Ehr- und Moralvorstellungen, oder auch durch politische Umstände, die Krieg, Gefängnis, Folter und Tod von geliebten Menschen mit sich bringen. Anhand der Schicksale von drei Frauen, aus unterschiedlichen Ländern, Religionsgemeinschaften und gesellschaftlichen Schichten und aus unterschiedlichen Zeiten, zeichnet Humaidan ein fein schattiertes Bild dieser Frauen und deren Begrenzungen. Gleichzeitig zeigt sie auf, wie sehr die Gesellschaft Libanons unter dem kollektiven Schweigen zum Bürgerkrieg und den persönlichen Verlusten und vielleicht auch Fehlern leidet. Die Jetztzeit der Handlung spielt kurz nach Ende des Bürgerkrieges, die Rückblenden führen uns in die Zeit des Ausbruchs des Krieges und in die Kriegszeit selber. War Beirut beim Ausbruch des Krieges ein sicherer Hafen für eine vielfältige, sehr diverse Gesellschaft, zusammengesetzt aus verschiedensten Religionsgemeinschaften und anderen Nationalitäten, wie Kurden, Armeniern und Syrern, so findet sich nach dem Bürgerkrieg eine klare Verengung des Blickes auf die jeweils eigene Religionsgemeinschaft und Nationalität, beispielsweise. Schweigen hat sich über die Vergangenheit gelegt. Gleich geblieben sind sich die Sehnsucht nach der Liebe und die Hindernisse zu deren Verwirklichung. "Das Leben ist Trennung und Verlust", sagt Sabha. Doch der Mut zur Hoffnung bleibt. cn

Klappentext:

Beirut, 1994. Zehn Jahre sind vergangen, seit Maja ihre Stadt gen Paris verlassen hatte. Nun ist sie in den Libanon zurückgekehrt, die Verheerungen des zu Ende gegangenen Bürgerkrieges sind allerorten sichtbar, nicht nur in den Strassen, auch in den Seelen der Menschen. Bei Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm stösst sie in den Ruinen auf einen abgewetzten Lederkoffer, dessen Inhalt – Briefe, Fotos und Tagebücher – ihr Leben fortan auf den Kopf stellt. Majas unablässige Recherchen führen sie auf die Spur der syrischen Journalistin Nûra, die einst die Flucht wagte, nachdem sich ihr der Geheimdienst an die Fersen geheftet hatte.

Über die Autorin / über den Autor:

Iman Humaidan, geboren 1956 in Ain Anub südlich von Beirut, studierte Soziologie an der Amerikanischen Universität Beirut. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit – sie hat vier Romane und diverse Kurzgeschichten veröffentlicht sowie Drehbücher verfasst – unterrichtet sie an europäischen und nordamerikanischen Universitäten Arabisch und Kreatives Schreiben. Sie ist Mitgründerin des libanesischen P.E.N.-Zentrums, dessen Präsidentin sie seit 2015 ist, und lebt in Beirut und Paris.

Iman Humaidans Romane sind in deutscher Übersetzung im Lenos Verlag erschienen: Wilde Maulbeeren (2004), B wie Bleiben wie Beirut (2007), Andere Leben (2013).

Preis: CHF 29.50
Sprache: Deutsch (aus dem Arabischen von Regina Karachouli)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2017 (2016)
Verlag: Lenos
ISBN: 978-3-85787-478-9
Masse: 267 S.

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