Alawiyya Sobh

Marjams Geschichten

Romanfiguren sind auf der Suche nach Alawiyya Sobh, ihrer Autorin, die während so vieler Jahre ihre Geschichten gesammelt hat. Sie ist verschwunden, und Marjam, die das Erzählen der Geschichten übernommen hat, steht vor der Ausreise nach Kanada. Sie will diese Geschichten retten: Geschichten von Freundinnen, die aber auch von Tausenden von anderen Frauen stammen könnten: Frauen, die in den jungen Jahren Träume hatten, die unabhängig waren, die für die Freiheit kämpften, die politisch aktiv waren, die Männer liebten, die plötzlich die Regeln ihrer Familien entdeckten: die "Ader", die ihnen sagte, dass sie sich den Konventionen gemäss verhalten müssen, dass sie nicht ausbrechen dürfen. Die Frauen sind eigentlich stärker als ihre "Adern", aber die grossen Enttäuschungen lassen auch sie flüchten – in lieblose Ehen, wo sie vor ihren Männern kuschen, in die Religion, in arrangierte Ehen. Es sind bittere Geschichten, in früheren Zeiten bevölkert von Dämonen, die Kinder und Familien bedrohen, dann bedroht von den Kriegen, den immer wieder ausbrechenden Kämpfen. Es sind bittere Geschichten und die Frauen sind diejenigen, die den Preis zahlen. Sehr lesenswert, schön geschrieben, wunderbare Bilder, sehr aufwühlend. cn

Klappentext:

Alawiyya, die Schriftstellerin, ist spurlos verschwunden und mit ihr die Geschichten Marjams und von Marjams Freundinnen Ibtissam und Yasmine, die Alawiyya während langer Abende in Erfahrung gebracht hatte. Deshalb springt Marjam, eine neue Scheherazade, ein und beginnt zu erzählen – von sich und von soviel zerbrochenen Leben; von all den verstossenen Frauen; den jungen, die schwanger in einen Brunnen geworfen wurden; von Ibtissams Hoffnung auf eine Hochzeit mit Karim, obwohl der Christ ist; vom Leben Fatmas, die zehnjährig von ihrem Onkel verheiratet wurde und in der Folge achtzehn Schwangerschaften hinter sich brachte ... Immer weiter erzählt sie von dem durch Gewalt zerrissenen Libanon, dessen Schicksal sie am Ende ins Exil treibt.

Indem sie Tragik ebenso wie Lebensgier, Hoffnung und Sehnsucht einer Vielzahl meist weiblicher Gestalten im Laufe dreier Generationen vergegenwärtigt, entwirft Alawiyya Sobh, konzentriert auf Beirut, ein schmerzendes, kraftvoll und freizügig gehaltenes "Schlachtengemälde" des Nahen Ostens. Mit Marjams Geschichten hat sie grosses Aufsehen nicht nur in der arabischen Welt erregt.

Über die Autorin / über den Autor:

Alawiyya Sobh, geboren 1955 in Beirut, lebt dort. Sie ist Chefredakteurin der Zeitschrift Snob Hasna. Ihr Roman Marjams Geschichten erschien 2002 (2007 in französischer Übersetzung bei Gallimard).

Preis: CHF 44.50
Sprache: Deutsch (aus dem Arabischen von Leila Chammaa)
Art: Gebundenes Buch
Erschienen: 2010 (2002)
Verlag: Suhrkamp Verlag
ISBN: 978-3-518-42143-7
Masse: 474 S.

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