Frühere Themenschwerpunkte

Ägypten

Ägypten fesselt, packt, gibt Rätsel auf, verwirrt und fasziniert zugleich. Unsere Assoziationen reichen vom pharaonischen Ägypten mit seinen Pyramiden und der Sphinx, über den Suezkanal und den Staudamm in Assuan bis zum ägyptischen Frühling 2011, der den Sturz Hosni Mubaraks zur Folge hatte. Wie sich das eine mit dem anderen verbindet, wieviel Pharaonisches heute noch bleibt und wie es zum Sturz Mubaraks kommen konnte, haben wir in den Büchern gesucht und auch an vielen Orten gefunden.

Wir stellen hier eine Auswahl an Büchern vor, die in besonders interessanter Weise Ägypten beleuchten – seine Geschichte, aber auch das Lebensgefühl seiner BewohnerInnen wie auch die immensen Widersprüche dieses Landes.

Zum aktuellen kulturellen Leben in Ägypten wird in den nächsten Monaten Mariam Ibrahim, Journalistin, Autorin, Kunstschaffende aus Kairo und Alexandria berichten. 

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Alexandria, Corniche © Charlotte Nager

Unser Gast aus Ägypten

Maryam

Mariam Ibrahim hat Pharmazie studiert und arbeitet heute als unabhängige Autorin und Übersetzerin in Kairo. Vorher war sie für NGOs in Ägypten wie auch in Goa, Indien, tätig. Ihr Interesse für Theater, das Erzählen von Geschichten und Film ist verbunden mit der Suche nach und dem Staunen über die Verknüpfungen zwischen persönlichen und kollektiven Narrativen. Neben Tanzen und kulinarischen Genüssen hegt sie eine grosse Leidenschaft für das Erfinden von neuen Wörtern und das ziellose Flanieren. 

Hier geht es zu ihren Beiträgen.


Unsere Buchtipps zu Ägypten

Spuren der alten ägyptischen Hochkultur reichen zurück bis ins 4. Jt. v. Chr.. Jan Assmann analysiert in seiner faszinierenden Sinngeschichte Ägyptens die sinnstiftenden Elemente der grossen Pharaonenreiche und wie diese noch heute das Selbstbild Europas beeinflussen. Das kleine Büchlein Echnaton von Hermann Schlögl befasst sich mit diesem Pharaonen, der im 14. Jh. v. Chr. eine monotheistische Religion entwickelt und eingeführt hatte. Es bietet einen guten Einstieg in die faszinierende, komplexe Kulturlandschaft des alten Ägyptens, das seine Traditionen durch alle Wechselfälle der Geschichte und unter allen unterschiedlichen Reichen (Perser, Alexander der Grosse, Ptolemäern, Römer) bis ins 1. Jh. n. Chr. bewahren konnte. Erst nach der Zeitenwende, nach wiederholten Pestepidemien, Aufständen und einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation, kehrte sich das Land von seinem alten Glauben ab. Im 7. Jh. n. Chr. eroberten die Araber Ägypten, im 13. Jh. übernahmen die Mamluken, Nachfahren von Sklaven türkischer und kaukasischer Herkunft, die Macht. Auch als 1516/17 Ägypten offiziell ein Teil des osmanischen Reiches wurde, blieben die Mamluken die eigentlichen Herrscher im Land. Gamal al-Ghitanis sehr lesenswerter Roman Seini Barakat spielt während dieser Zeit und beschreibt die repressiven und schon fast paranoiden Machtsysteme jener Epoche. 

Ende des 18. Jh. hielt das napoleonische Frankreich Ägypten kurz besetzt. Nachdem die Osmanen, mit Unterstützung der Briten, das Land wieder zurückerobert hatten, etablierte sich Muhammad Ali, ein aus Makedonien stammender Befehlshaber der osmanischen Armee, als Khedive von Ägypten – ein von der Hohen Pforte verliehener Titel. Mit ihm begann die Geschichte des modernen Ägyptens und unter ihm und seinen Nachfolgern wurde der Suezkanal gebaut. Die hohen Kosten haben den Staat allerdings fast in den Bankrott getrieben, so dass der Kanal an die Briten verkauft wurde, was deren Einfluss enorm verstärkte: der Khedive wurde zum Marionettensultan. Diese Geschehnisse bilden die Kulisse des Romans Le sémaphore d’Alexandrie von Robert Solé, worin er den Werdegang des griechisch-katholischen Journalisten Maxim Touta erzählt. 1914 wurde Ägypten zum britischen Protektorat, 1922 wurde Fuad zum ersten König einer konstitutionellen Monarchie eingesetzt. Formal war Ägypten nun unabhängig. In seiner wunderbaren Kairoer Trilogie schildert Nagib Machfus das Leben des Patriarchen Abd al-Gawwad und seiner Familie, vor dem Hintergrund der nationalistischen Proteste gegen die Engländer und die darauffolgende kulturelle Blütezeit.

Tatsächlich zogen die Briten aber erst 1952 nach dem Putsch der freien Offiziere unter Gamal Abdel Nasser ab. Nasser verfolgte eine sozialistische Politik, führte Landreformen durch, unter ihm wurde der Assuan-Staudamm gebaut und der Suezkanal 1954 verstaatlicht. Der packende Roman Snooker in Kairo von Waguih Ghali, beschreibt das Kairo der 50er Jahre, aus der Perspektive der wohlhabenden und auf England ausgerichteten Oberschicht, die sich erschreckend weit vom Leben der grossen Mehrheit der Bevölkerung entfernt hatte. Eine interessante Zusammenstellung autobiographischer Texte mit dem Titel Durchsuchungen legt Latifa al-Sajjat vor; man lernt, welche Kämpfe eine Feministin im Kairo der 60er Jahre auszutragen hatte und welche Bedeutung die Gemeinschaft und das Politische für die Emanzipation jedes Einzelnen hatte. Auf die Suche nach der Vergangenheit seiner Familie macht sich Jérémy Dres in seiner Graphic Novel Si je t’oublie Alexandrie. Seine Grosseltern jüdischer Herkunft haben noch im kosmopolitischen Alexandria gelebt, mussten das Land dann aber mit dem Erstarken des ägyptischen Nationalismus und dem Krieg mit Israel wie viele andere, Armenier, Griechen, Christen, Juden, verlassen. 

Auf den Tod Nassers folgte Anwar el Sadat als Staatspräsident. Nach dessen Ermordung 1981 übernahm Hosni Mubarak. Welche Folgen die Politik dieser beiden Staatspräsidenten für die breite Bevölkerung Ägyptens hatte, beschreibt Jack Shenker in seinem ausgezeichneten Buch The Egyptians sehr nachvollziehbar. Die Ungleichheiten wuchsen, eine Elite bereicherte sich, die Repression nahm immer stärker zu, ebenso die willkürliche Polizeigewalt. Im Jakubiijân-Bau beschreibt Alaa Al-Aswani unterhaltsam und überzeugend den Kosmos der BewohnerInnen eines Hauses in der Innenstadt Kairos. Mansura Eseddins Hinter dem Paradies wendet sich dem Dorf zu und gibt einen spannenden und sensiblen Einblick in das ländliche Leben und die Geschichte der Ziegelbrennerei. Youssef Rakha wiederum führt uns in seinem äusserst poetischen Roman The Crocodiles in das Milieu der Dichter, Aktivisten und Intellektuellen im Ägypten der 90er und frühen 2000er Jahre. Ein sehr bewegender Text zum Stellenwert von Individualität, auch künstlerischer Individualität, in einer Gesellschaft, die es immer schwieriger macht, seinen eigenen Weg zu gehen. Ein erschütterndes Bild der ägyptischen Gesellschaft zeichnet Ahmed Khaled Towfik in seinem Roman Utopia – eine düstere Dystopie, die in der nahen Zukunft spielt und mit den zahlreich entstandenen, abgeschotteten Wohnsiedlungen für die Reichen gar nicht so weit von der Realität entfernt ist. Ebenfalls in der Zukunft spielt die rasante Satire Women of Karantina von Nael Eltoukhy. Sein burleskes Familienepos kann auch als Kritik am korrupten Staat gelesen werden, an den verkrusteten Moralvorstellungen und als Loblied auf die Widerständigkeit kleiner Leute.

All die gesellschaftlichen Widersprüche und die immer autoritärere und skrupellosere Regierung explodierten im ägyptischen Frühling. Wie umfassend diese Proteste waren, die zum Rücktritt von Hosni Mubarak geführt hatten, liest man ebenfalls bei Jack Shenker. Omar Hamilton hat mit seiner Stadt der Rebellion ein sehr beeindruckendes Zeugnis der Proteste geschrieben, die auf diesen ersten Erfolg folgten. Wir sind mit ihm bei den Protesten gegen die Muslimbrüder, die mit Mursi 2012 die Macht übernommen hatten; und wir sind dabei, als sich nach Mursis Absetzung durch das Militär 2013 und nach der Wahl des Generalobersts Abd al-Fattah as-Sisi zum Staatspräsidenten 2014 ein Klima der Enttäuschung und Resignation ausbreitete. In dem sehenswerten Film Clash von Mohammed Diab treffen ganz unterschiedliche Menschen, die auf den Strassen Kairos am Tag nach dem Putsch gegen Mursi demonstrierten, in einem Gefängniswagen aufeinander – Muslimbrüder, Demokraten, Soldaten. Im engen Wagen werden die unzähligen Fronten im heutigen Kairo sichtbar.

Für die ÄgypterInnen spielt insbesondere Kairo eine zentrale Rolle – diese riesige Stadt, der grösste Ballungsraum auf dem afrikanischen Kontinent und in der arabischen Welt, bildet für sie den eigentlichen Kosmos. Sich in diesem chaotischen Moloch, in dem offiziell rund 20 Millionen Menschen leben, zurechtzufinden, ist schwierig. Da hilft das kleine, schön gemachte Buch Uncommon Cairo, in dem verschiedene AutorInnen ihre Lieblingsorte beschreiben und Geschichten und Erlebnisse dazu erzählen. Einen Einblick in die graphischen Landschaften Ägyptens, mit den zahlreichen Inschriften, Zeichnungen, Graffiti, auf Häusern, Bussen, Läden, gibt das reich illustrierte Buch Khatt. Egypt’s Calligraphic Landscape.

Und für die Musik aus Ägypten … nichts geht über die grosse Umm Khalthoum.

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    Jan Assmann
    Ägypten. Eine Sinngeschichte
    Ich kann dieses intelligente Buch, das sich der Zeitspanne vor der Vereinigung des unteren und oberen Ägyptens bis zur Machtübernahme dur...
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    Hermann A. Schlögl
    Echnaton
    Das Bändchen Echnaton von Hermann A. Schlögl führt uns auf wenigen Seiten präzise vor Augen, wie der radikale Pharao Echnaton im 14. Jh....
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    Gamal al-Ghitani
    Seini Barakat. Diener des Sultans, Freund des Volkes
    Der Roman spielt um 1520 (nach islamischer Zeitrechnung im Jahre 900), im Ägypten unter der Herrschaft der Mameluken, die ihre Macht an d...
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    Robert Solé
    Le Sémaphore d'Alexandrie
    Maxime Touta, ein griechisch-katholischer Ägypter von syrischer Abstammung, erzählt uns seinen Werdegang als Journalist im Ägypten der zw...
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    Nagib Machfus
    Zwischen den Palästen. Kairoer Trilogie I
    Der erste Band dieser wunderbar geschriebenen Familiensaga.
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    Nagib Machfus
    Palast der Sehnsucht. Kairoer Trilogie II

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    Nagib Machfus
    Zuckergässchen. Kairoer Trilogie III

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    Waguih Ghali
    Snooker in Kairo
    Ram stammt aus der unermesslich reichen Oberschicht Kairos. Auch wenn seine Mutter selber kein Geld hat, ermöglicht die Familie ihr und i...
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    Latifa al-Sajjat
    Durchsuchungen
    Durchsuchungen hat mich begeistert! Der aussergewöhnliche Aufbau der Autobiografie ist eine beeindruckende Entdeckung, wie auch ihre Sich...
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    Jérémie Dres
    Si je t'oublie Alexandrie
    Jérémie Dres erzählt heiter und zeichnet mit sicherem Strich und monochromer Farbgebung entlang möglicher Erklärungspfade, weshalb seine...
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    Jack Shenker
    The Egyptians. A Radical Story
    Ein äusserst lesenswertes Buch über die politischen Hintergründe Ägyptens und wie diese sich seit der Zeit Nassers entwickelt haben. Ausg...
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    Alaa Al-Aswani
    Der Jakubijân-Bau
    Die ganze Welt in einem Gebäude! Zwar als Spiegelbild der ägyptischen Gesellschaft geschrieben, beinhaltet dieser Roman meiner Meinung na...
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    Mansura Eseddin
    Hinter dem Paradies
    Salma kommt nach dem Tod ihres Vaters Raschid zurück ins Haus ihrer Familie, ins Dorf. Sie lebt in Kairo, mit ihrem Mann Sija – sie...
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    Youssef Rakha
    The Crocodiles
    Ein Text in unglaublicher poetischer Dichte. Anstelle von Seitenzahlen gibt es nummerierte Paragraphen. Jeder Paragraph könnte als eigene...
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    Ahmed Khaled Towfik
    Utopia
    Eine sehr düstere Projektion der Zukunft Ägyptens, die aber in der Realität ansatzweise bereits existiert. Die Reichen haben sich an der...
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    Nael Eltoukhy
    Women of Karantina
    In Women of Karantina begeben wir uns auf eine wilde Fahrt in die Zukunft von Alexandria. Die Geschichte beginnt mit Inji und Ali, die si...
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    Omar Robert Hamilton
    Stadt der Rebellion
    Mit Khalil und Mariam, Hafez, Rania, Ashraf, Malik und Rosa finden wir uns auf dem Tahrir-Platz, in der Mohamed Mahmoud Street, in den Kr...
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    Mohamed Diab
    Clash
    Ein zutiefst eindrückliches Kammerspiel: explosiv und unvorhersehbar. Clash beruht auf einem raffinierten Drehbuch. Spannend und klar bes...
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    Heba Habib, Isabelle Mayault (Hrsg.)
    Uncommon Cairo
    Kairo ist ein Moloch, der seine BesucherInnen eher überfordert. Wohin gehen, worauf achten, wo sind die versteckten kleinen Orten, die kl...
    Gebundenes Buch (mit zahlreichen Abbildungen) mehr
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    Noha Zayed (Fotos), Basma Hamdy (Hrsg.)
    Khatt. Egypt's Calligraphic Landscape
    In diesem mit zahlreichen Fotografien illustrierten Buch wird die Bedeutung von Inschriften, Zeichnungen, Graffiti in der ägyptischen Wel...
    Gebundenes Buch, zahlr. Abb. mehr
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    Mahmoud Fadl
    Umm Kalthum 7000
    "Apart from Allah, they say, Umm Kahlthum is the only subject about which all Arabs agree ... Stern and tragic, rigidly in control,...
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Auf unserer Länderseite von Ägypten und auf der Seite zu der ganzen Region finden Sie noch weitere Bücher, Filme und Musik.

Bosnien und Herzegowina

Bosnien und Herzegowina ist in den letzten Jahrzehnten näher zu uns gerückt. Viele kennen Leute aus Bosnien und Herzegowina, waren vielleicht selber in Sarajevo in den Ferien und wissen um die Schwierigkeiten im politischen System Bosniens. Und doch ist uns Bosnien weit entfernt. Vielleicht trägt der vor mehr als zwanzig Jahren zu Ende gegangene Krieg dazu bei, dass uns bei Bosnien immer ein wenig mulmig zumute wird.

Wir finden, es ist an der Zeit, Bosnien näher anzuschauen, die vielfältigen kulturellen Produktionen, in Literatur, Musik und Film, und vor allem den Menschen, die in diesem Land leben, aufmerksam zuzuhören. Da sind wir hoch erfreut, dass wir mit Sandra Zlotrg, einer Sprachwissenschaftlerin aus Sarajevo, eine frische, junge Stimme gefunden haben, die uns in regelmässig erscheinenden Blog-Beiträgen den Alltag im heutigen Sarajevo näherbringt.

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Sarajevo, Sebilj © Charlotte Nager

Unser Gast aus Sarajevo

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Worüber sprechen die Leute, was ist aktuell im Kulturbereich, welche Bücher werden gelesen, welche Filme geschaut, welche Diskussionen darüber geführt? Das haben wir Sandra Zlotrg – Linguistin, die Bosnisch/Kroatisch/Serbisch als Fremdsprache in Sarajevo unterrichtet – gefragt. Und alle drei Wochen beantwortet sie uns diese Fragen in einem neuen Blog-Beitrag. Hier geht es zu ihren Beiträgen.


Unsere Buchtipps zu Bosnien und Herzegowina

Die Geschichte Bosnien und Herzegowinas ist verschlungen und wechselvoll. In den letzten Jahrhunderten bewegte sich das Land an den Grenzen zwischen dem Orient und dem westlichen Europa. In seiner heutigen Form existiert Bosnien und Herzegowina seit 1995, vorher war es immer Teil von einem grösseren Gebilde. Um einen Überblick über die überaus spannende Geschichte der ganzen Region Südosteuropas zu erhalten, hat uns Südosteuropa. Geschichte einer Weltregion von Marie-Jeanne Calic grosse Dienste erwiesen. Auf spannende und sehr lesbare Art und Weise beschreibt sie die Geschichte der gesamten Region und setzt diese auch in Bezug zu Europa und den globalen Entwicklungen. Wer es kürzer und doch präzise will, dem sei die Geschichte des Balkans von Edgar Hösch oder The Balkans. A Short History von Mark Mazower empfohlen. Beides grosse Kenner des südosteuropäischen Raumes.

Die schillernde Geschichte des Landes lässt sich auch in der Literatur aus dem Land nachlesen. Der in Travnik, einer ländlichen bosnischen Kleinstadt, geborene Nobelpreisträger Ivo Andrić lässt in Die Brücke über die Drina aus der Perspektive der Stadt Višegrad die Geschichte des Landes, beginnend mit der osmanischen Zeit bis in die Neuzeit, vorbeiziehen. In Wesire und Konsuln berichtet der österreichisch-habsburgische Konsul über sein Leben in Travnik, über den Umgang mit dem osmanischen Wesir, mit den muslimischen und christlichen Bauern. In dieser Zeit spielt auch Muharem Bazdulj’s Roman Der Ungläubige und Zulejha, wo Lord Byron auf einer Reise durch Bosnien einem jüdischen Arzt begegnet und mit ihm über die Unterschiede zwischen Ost und West sinniert.

Auf den langsamen Zusammenbruch des osmanischen Reiches folgt die vierzigjährige Besetzung Bosniens durch das österreichisch-habsburgische Reich und die Erstarkung zahlreicher nationalistischer Bewegungen und Forderungen in ganz Südosteuropa. In seinem atemberaubenden Roman Die unerhörte Geschichte meiner Familie führt uns Miljenko Jergović – auf den Spuren seiner Familie – unter anderem in die Zeit des österreichischen Imperiums, insbesondere zum Eisenbahnnetz, das damals die verschiedenen Teile des Reiches miteinander, aber auch mit Europa verband. Mit dem Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau 1914 in Sarajevo wurde der erste Weltkrieg ausgelöst und die Welt ins Chaos gestürzt. Für Bosnien begann damit ein sehr langes Jahrhundert von Kriegen. Mit dem Ende des ersten Weltkrieges entstand 1918 das Königreich der Kroaten, Serben und Slowenen, ab 1929 das Königreich Jugoslawien, dem bis zum zweiten Weltkrieg auch Bosnien angehörte. Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde Bosnien kurzzeitig in den faschistischen Ustascha-Staat von Ante Pavelić integriert, dessen Auswirkungen auf die jüdische Bevölkerung Sarajevos auch in Miljenko Jergović's Texten zornige Erwähnung finden. Nach dem zweiten Weltkrieg einte Tito die jugoslawischen Teilrepubliken im Sozialistischen Jugoslawien. Nach dieser Phase der wirtschaftlichen Entwicklung und des relativen Wohlstands führte Titos Tod bald zur Auflösung der Föderation und schliesslich zum Bosnienkrieg, als Bosnien und Herzegowina die Loslösung aus Milošević’s Jugoslawien ankündigte. Aufgerieben zwischen Kroatien und Serbien hat Bosnien die grössten Opfer erlitten während dieses Krieges, der von 1992 bis 1995 dauerte und mit dem Dayton-Abkommen seinen Abschluss fand. Die dreijährige Belagerung Sarajevos ist uns wohl noch heute im Bewusstsein, wie auch die unermessliche Tragödie von Srebrenica. 8000 muslimische Männer und Jugendliche wurden von der Armee der serbischen Bosnier vor den Augen der UNO-Blauhelme ermordet. Emir Suljagic schildert die Erlebnisse aus Srebrenica in erschütternder Weise in Srebrenica – Notizen aus der Hölle. Die amerikanische Journalistin Barbara Demick hat während der Belagerung Sarajevos die Bewohnerinnen und Bewohner der Logavina Strasse begleitet und deren Geschichten porträtiert. Sie gibt mit Die Rosen von Sarajevo ein eindrückliches Bild der Lebensumstände der Bewohner und Bewohnerinnen von Sarajevo während dieser Belagerung und lässt die daraus entstandenen Verletzungen erahnen. In seiner Graphic Novel Bosnien zeichnet Joe Sacco auf eingängige Weise das Schicksal von Gorazde, dieser ebenfalls vom Umland abgeschnittenen Enklave im Drinatal nach. Einen überaus poetischen Roman hat Alma Lazarevska mit Im Zeichen der Rose über dieses so tragische Jahrhundert geschrieben.

Seit dem Kriegsende versucht Bosnien und Herzegowina ein funktionierendes politisches System aufzubauen. Mit der Teilung des Landes in die Republika Srpska und der Konföderation von Bosniaken und Kroaten im restlichen Land und einer Regierung, wo alle Teile des Landes Entscheide blockieren können, ist das nicht einfach. Und die verschiedenen Bevölkerungsgruppen scheinen sich weiter auf sich selbst zurückzuziehen ... Diese Nachkriegszeit und die tiefen Wunden, die der Krieg hinterlassen hat, zeigen sich in den Erzählungen von zeitgenössischen Autorinnen und Autoren, die im Band Bibliothek Sarajevo versammelt sind. Im Gedenken an die während des Krieges zerstörte bosnisch-herzegowinische Nationalbibliothek in Sarajevo, der Vijećnica, haben aktuelle Autorinnen und Autoren, unter anderen Saida Mustajbegović, Faruk Šehic, Nenad Veličković und Lejla Kalamujić, Texte beigesteuert. In Tierchen Unlimited schildert Tijan Sila wie die Wunden des Krieges bis in die Diaspora reichen. Und in den Gedichten von Faruk Šehic, im Band Abzeichen aus Fleisch versammelt, erhalten diese Wunden eine unheimliche Poesie.

Neben einer reichen literarischen Produktion, ist auch die bosnische Film- und Musikproduktion unglaublich vielfältig und interessant. Besonders angetan hat es uns die traditionelle Sevdah-Musik, die von melancholischen Liedern geprägt ist. Amira Medunjanin überträgt die Sevdahs in moderne Arrangements, die Mostar Sevdah Reunion führt vor, wie Bosniaken und Kroaten in Mostar über diese alten Lieder zusammengeführt werden könnten. Aus den vielen Filmen von bosnischen Filmschaffenden hat uns Der perfekte Kreis von Ademir Kenović besonders beeindruckt. Er zeichnet ein unglaublich eindrückliches und menschliches Bild des Lebens in Sarajevo während des Krieges.

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    Marie-Janine Calic
    Südosteuropa. Weltgeschichte einer Region
    Marie-Janine Calic ist eine grosse Kennerin Südosteuropas. Und es ist ein Vergnügen, sie zu lesen und ihren Gedankengängen zu folgen. So...
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    Edgar Hösch
    Geschichte des Balkans

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    Mark Mazower
    The Balkans
    Ein geschichtliches Plädoyer zu einem anderen Verständnis vom Balkan. Ein Abriss des osmanischen Imperiums, der Beziehungen zwischen den...
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    Ivo Andrić
    Die Brücke über die Drina
    Ein tief beeindruckendes Buch, das der Geschichte der Brücke, die bei Višegrad über die Drina gebaut worden ist, nachzeichnet. Um 1500 wu...
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    Ivo Andrić
    Wesire und Konsuln
    Travnik, ein Städtchen in einem engen Tal in Bosnien, 1805. Die Begs diskutieren darüber, dass ein französischer Konsul kommen wird, und...
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    Muharem Bazdulj
    Der Ungläubige und Zulejha
    1809 unternimmt der englische Dichter Lord Byron eine Reise durch den Mittelmeerraum. Er bereist auch Albanien. In gekonnter Sprache nimm...
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    Miljenko Jergović
    Die unerhörte Geschichte meiner Familie
    In einem riesigen Mosaik aus Geschichten und in immer wiederkehrenden Kreisen, wie ein ins Wasser geworfener Stein, der immer weitere Kre...
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    Emir Suljagić
    Srebrenica – Notizen aus der Hölle
    Emir Suljagić schreibt gegen die Gleichgültigkeit an. Als junger Mann hat er von 1992 bis 1995 im von der Armee der bosnischen Serben ein...
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    Barbara Demick
    Die Rosen von Sarajevo
    Zwei Jahre hat die amerikanische Journalistin während der Belagerung in Sarajevo verbracht. Und während dieser zwei Jahre hat sie die Bew...
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    Joe Sacco
    Bosnien
    Die gezeichnete Reportage von Joe Sacco erlaubt ein ganz anderes Verständnis der Ereignisse, als es ein Text oder ein Geschichtsbuch könn...
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    Alma Lazarevska
    Im Zeichen der Rose
    In aussergewöhnlicher Weise verwebt Alma Lazarevska die Geschichte von Aleksa Š. und dessen Sohn und Enkel mit der Geschichte Rosa Luxemb...
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    Senad Halilbašić, Ingo Starz (Hrsg.)
    Bibliothek Sarajevo
    2010 besuchten die beiden Herausgeber Sarajevo, mit dem Ziel eine Radiosendung zur zerstörten Nationalbibliothek Bosnien-Herzegowinas zu...
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    Tijan Sila
    Tierchen Unlimited
    Ein Coming of Age-Roman der ganz anderen Art. Der Ich-Erzähler lässt sich beim Erzählen in die Karten schauen – und die sind meist v...
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    Faruk Šehić
    Abzeichen aus Fleisch

    Broschiertes Buch mehr
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    Mostar Sevdah Reunion
    Café Sevdah
    Der Produzent Dragi Sestić formierte die Band Mostar Sevdah Reunion zum ersten Mal auf dem Höhepunkt des Bosnienkrieges in 1993 – er...
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    Ademir Kenović
    Der perfekte Kreis
    Ein Film, der einem lange im Gedächtnis bleibt. Da ist der Schrecken und das Grauen des Krieges. Da hat Ademir Kenović kein Erbarmen mit...
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Auf unserer Länderseite von Bosnien und Herzegowina und auf der Seite zu der ganzen Region finden Sie noch weitere Bücher, Filme und Musik.

Kulturraum Mittelmeer

Thessaloniki

Unser erster Themenschwerpunkt widmet sich dem Kulturraum Mittelmeer. Hier geht es uns nicht um eines der Länder, die das Mittelmeer säumen, sondern um das Meer selber und den Kulturraum, der daraus erwachsen ist. Uns interessiert, was diese Region zusammenhält, was die gemeinsamen Themen, die gemeinsamen Vorstellungen sind. Gibt es so etwas wie eine Kultur des Mittelmeers? Die hier vorgeschlagenen Texte erzählen von solch einer Kultur und untermalen diese sehr anschaulich. Gemeinsamkeiten, Anklänge, Verschiebungen werden sichtbar. Auch in der Musik lassen sich gemeinsame Themen ausmachen. In Flora und Fauna sowieso.

Andererseits ist gerade heute das Mittelmeer mehr denn je ein Grenzwall geworden, ein Niemandsland, ein Massengrab. Diese bittere Aktualität möchten wir nicht aus den Augen verlieren, sondern mehr darüber erfahren. 

Fahrt mit der Fähre von Portoferraio (Elba) nach Piombino (Festland). Im Hintergrund liegt Elba (morgens ca. um 7 Uhr aufgenommen am Samstag, 12.8.2017). Fotografiert von Katrin Hafner

Unsere Tipps zum Mittelmeer

Zum Thema Mittelmeer empfehlen wir Ihnen die packende Biographie des Mittelmeeres von David Abulafia, der die letzten 20'000 Jahre Geschichte aus der Perspektive des Mittelmeeres anschaulich erzählt. Predrag Matvejević's Mediterran assoziiert Wörter, nautische Begriffe, Bezeichnungen für Winde, Architektur im ganzen Mittelmeerraum und schafft es, die Ahnung von einem lebendigen Kulturraum zu erwecken. Eine äusserst anregende Einführung in diesen Kultur- und Lebensraum geben auch die kurzen Essays von Fernand Braudel, Duby und Aymard.

Mit Wolfgang Bauer begleiten wir eine Gruppe von syrischen Flüchtlingen, die die Fahrt übers Meer von Ägypten aus wagen wollen, und Abu Bakr Khaal nimmt uns in poetischer Art und Weise auf seine beschwerliche Reise in den Norden mit. Jonas Carpignano sucht in seinem preisgekrönten Film Antworten zum Ausbruch der Unruhen in Rosario 2010. Mit Ignacio Aldecoa fahren wir zwar nicht aufs Mittelmeer, aber seine Beschreibung des Fischfangs vor der irischen Küste ist so eindrücklich und unvergleichlich, dass wir ihn einfach nicht weglassen können.

Mit Tutti Frutti zeigt Gabriela Wachter uns anhand von wunderschönen Illustrationen die Vielfalt der mediterranen Flora, und Jules Michelet sinniert 1861 über den Ursprung allen Lebens aus dem Meer. Literarisch zeichnet Mathias Énard eine Karte der Kriege rund ums Mittelmeer.

Die musikalischen Verbindungen zwischen den verschiedenen Mittelmeerländern sind schön auf dem Rough Guide to the Mediterranean zu hören. 

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    David Abulafia
    Das Mittelmeer. Eine Biographie
    Das schön aufgemachte Buch mit vielen Bildtafeln bietet eine ausführliche Geschichte der Kulturen rund ums Mittelmeer, angefangen bei 22'...
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    Jules Michelet
    Das Meer
    Das Meer, erstmals 1861 erschienen, befasst sich mit dem Meer als Urkraft und Wiege allen Lebens, aber auch als Ort der Produktion,...
    Taschenbuch mehr
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    Abu Bakr Khaal
    African Titanics
    Ein äusserst berührendes, höchst poetisches Buch über das eigene Erleben der Fahrt über das Mittelmeer. Der Ich-Erzähler stammt aus Eritr...
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    Various
    The Rough Guide to the Mediterranean
    Dieser Rough Guide entführt uns in die Aussenregionen des mediterranen Lebens, wo die Musik immer noch das Lebenselixir der alten, opulen...
    CD mehr
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    Jonas Carpignano
    Mediterranea
    Eine Aufarbeitung der gewalttätigen Unruhen in Rosarno, die sich gegen afrikanische Einwanderer richteten.
    DVD mehr
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    Lorenzo Ceccarelli / Gabriela Wachter
    Tutti Frutti
    Bäume und Früchte des Mittelmeerraums in Kultur und Geschichte. Sehr schön gemachtes Buch mit zahlreichen wunderbaren Illustrationen.
    Gebundenes Buch, mit zahlreichen Illsutrationen mehr
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    Mathias Énard
    Zone
    Ein 500-seitiger innerer Monolog, von einem, der die Welt mit ihren Kriegen, Verraten und Gewalt nicht mehr aushält. Eine assoziative Leb...
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    Wolfgang Bauer
    Über das Meer. Mit Syrern auf der Flucht nach Europa.
    Wolfgang Bauer, ein Journalist, begleitet gemeinsam mit dem Fotografen Stanislav Krupar, inkognito eine Gruppe von Syrern auf ihrem Versu...
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  • slide 9
    Predrag Matvejević
    Der Mediterran
    Ein leidenschaftlicher Text zum Mittelmeer und dem Raum, der es umschliesst. Was ist gleich, was ist ähnlich, was verbindet? In einem ass...
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  • slide 10
    Ignacio Aldecoa
    Gran Sol
    Eine dichte, auch irgendwie lakonische Beschreibung, einer Fischfangfahrt von Galizien aus an die englische/irische Küste. Es geht um die...
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    Fernand Braudel
    La Méditerranée. L'espace et l'histoire

    Taschenbuch mehr
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    Fernand Braudel, Georges Duby, Maurice Aymard
    Die Welt des Mittelmeeres
    In den 1986 auf französisch erschienenen Essays – mit Überschriften wie Land, Meer, Dämmerung und Lebensraum – entwerfen Braude...
    Taschenbuch mehr

Hier kommen Sie auf die Länderseite zum Kulturraum Mittelmeer und können in unserem gesamten Sortiment zum Thema schmökern.


Libanon

Wenn wir an den Libanon denken, kommen uns die wunderbaren Mezze beim libanesischen Restaurant um die Ecke in den Sinn, bald dann aber der Bürgerkrieg von 1975-1990 und die Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila. Dass der Libanon ein kulturelles Zentrum der ganzen Region ist, viele Verlage ihre Heimat in Beirut haben und vielfältigste kulturelle Produktionen dort entstehen, entzieht sich meist unserem Wissen. 

Tausend und zwei Gründe, weshalb es sich lohnt, einen oder mehrere Blicke auf dieses Land zu werfen. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir eine kleine Gruppe von kulturell interessierten und tätigen Personen aus Beirut dazu gewinnen konnten, Beiträge für die Kulturnotizen aus Beirut zu verfassen.

Sin El Fil

Beirut, Sin El Fil © Charlotte Nager

Unsere Gäste aus Beirut

Diana_Porträt

Zu unserem Themenschwerpunkt Libanon werden verschiedene Personen Beiträge für unsere Kulturnotizen aus Beirut schreiben. Dabei soll es in erster Linie um Reflexionen zu kulturellen Ereignissen gehen, um Impressionen zum kulturellen Leben in dieser quirligen Stadt. Diana Halabi ist Künstlerin. 


Gisela_Porträt

Gisela Nauk ist Politökonomin und lebt und arbeitet in Beirut.

Hier geht es zu den Beiträgen.


Unsere Buchtipps zum Libanon

Der Libanon in seiner heutigen Form ist erst nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches entstanden. Wie England und Frankreich die ehemals osmanischen arabischen Gebiete untereinander aufgeteilt haben, welche Intrigen und welche strategischen Überlegungen zum heutigen Libanon geführt haben, ebenso wie sich der Staat bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges entwickelt hat, lässt sich gut in A History of Modern Lebanon von Fawwaz Traboulsi nachlesen. Sein Buch ermöglicht, die heutigen Ereignisse im Libanon und im ganzen Nahen Osten besser zu verstehen. Entlang der Schicksale einzelner Familien aus der ganzen Levante erzählt auch Gilbert Sinoué in seinen beiden Bänden Le souffle du jasmin und Le cri des pierres auf nachvollziehbare Weise die Geschichte der Region. 

Nachdem der Libanon 1946 die volle Souveränität erhalten hat, entwickelte sich ein Parteiensystem, in dem die konfessionelle Zugehörigkeit wichtiger war als das politische Programm. Jabbour Douaihy thematisiert in seinem Roman Morgen des Zorns wie dieses System in der Folge zu einer regelrechten Feudalisierung der Politik geführt hat.

Mit der Gründung Israels flüchteten 380'000 Palästinenser und Palästinenserinnen in den Libanon. Elias Khoury schildert in berührender Weise in seinem leider nur noch auf Englisch erhältlichen Buch Gate of the Sun das Schicksal der in den Libanon geflohenen Palästinenser und deren Dasein zwischen der verlorenen Heimat und dem eigenartig ausgegrenzten Dasein in den Flüchtlingslagern im Libanon. Das immer gewaltsamere Aufeinandertreffen bewaffneter Milizen, palästinensischer und christlicher, rechtsradikaler Falange, und die Interventionen Syriens und Israels führten schliesslich zum Ausbruch des Bürgerkrieges 1975. Die bildende Künstlerin und Schriftstellerin Etel Adnan analysiert in ihrem leidenschaftlichen Kurzroman Sitt Marie-Rose die zu diesem Zeitpunkt herrschenden Konflikte zwischen Christen und Palästinensern. 

Der Bürgerkrieg selber wurde vom Journalisten Robert Fisk in Pity the Nation minutiös beschrieben. In seinen Reportagen kann man seinen klugen Analysen zum nahöstlichen Gefüge folgen, zu den Massakern von Sabra und Schatila, zu der Logik des Bürgerkrieges, aber auch zur Geschichte des Journalismus und wie dieser in den 80er Jahren funktioniert hat. Der Krieg selber bildet den Nährboden für zahlreiche künstlerische Auseinandersetzungen mit den traumatischen Erlebnissen. Hier gilt es an erster Stelle das äusserst beeindruckende Buch The Stone of Laughter von Hoda Barakat zu erwähnen, die auf berührende Weise beschreibt, was ein Krieg mit den Menschen macht, die ihn erleiden müssen. Zeina Abiracheds eindrückliche Graphic Novel Das Spiel der Schwalben erlaubt uns einen persönlichen Einblick in den Kriegsalltag ihrer Familie in den 80er Jahren. 

Mit dem auf das Kriegsende folgenden Wiederaufbau von Beirut erlebte die Gesellschaft ganz grundlegende Veränderungen – und auch Entfremdungen, wie diese von Hassan Dawud in seinem melancholisch-beklemmenden Der Gesang des Pinguins geschildert werden. In dieser Zeit spielt auch das unbedingt lesenswerte Buch Marjams Geschichten von Alawiyya Sobh, ein Mosaik von Frauenschicksalen. Den Blick auf die Umgestaltung der Stadt Beirut legt Rabee Jaber in seinem Roman The Mehlis Report, der 2005 nach dem Attentat auf den Premierminister Rafik Hariri spielt. In Ali and his Russian Mother verleiht Alexandra Chreiteh in frischer und frecher Sprache derjenigen Generation eine Stimme, die im Spannungsfeld Hisbollah-Israel aufgewachsen ist und den Zweiten Libanonkrieg 2006 miterlebt hat. Einen sehr empfehlenswerten Einstieg in die neuere Geschichte des Libanon hat der polnische Autor Stanislaw Strasburger mit seiner Sachbuch-Fiktion Besessenheit. Libanon verfasst. 

Nun ist es ruhiger geworden im Libanon – aber stabil ist die Situation nicht. Mit dem Krieg in Syrien sind rund 1,5 Millionen Geflüchtete in den Libanon gekommen. Im Roman An Unsafe Haven stellt sich Nada Awar Jarrar die Frage nach der Möglichkeit von Heimat nach dem Erleben einer Flucht, nach Zugehörigkeit in einem Land, in dem man nicht aufgewachsen ist. Für die Geflüchteten aus Syrien wiederholt sich das Schicksal der Flucht und Heimatlosigkeit für Millionen Menschen einmal mehr. In einem aussergewöhnlichen Projekt des Peirene Verlages, den Shatila Stories, erhalten die Geflüchteten selber Raum, ihren Alltag und ihre Geschichten zu erzählen.

Trotz der Kriegs- und Fluchterinnerungen, die tiefe Spuren im Leben der Menschen hinterlassen haben, ist Beirut eine quirlige und lebendige Stadt, voll von Gegensätzen und Widersprüchen. Einen Einblick in diese Fülle an Eindrücken gibt das sehr schön gemachte Buch Beyrouth, chroniques et détours des Autorenkollektivs Mashallah. 

Aus der Vielfalt der musikalischen und filmischen Produktionen aus dem Libanon möchten wir an dieser Stelle auf den Film West-Beyrouth, der den Alltag von drei Jugendlichen während des Bürgerkrieges nachzeichnet, und auf die spannende zeitgenössische Band Mashrou’ Leila verweisen. Einen wunderbaren Überblick über die Musikszene im Nahen Osten von den 1920ern bis in die 70er Jahre gibt uns Lamia Ziadé in ihrer einzigartigen Graphic Novel Ô nuit, ô mes yeux

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    Fawwaz Traboulsi
    A history of Modern Lebanon
    Die Geschichte Libanons vom Osmanischen Reich bis in die Zeit nach dem Bürgerkrieg von Fawwaz Traboulsi ist vortrefflich, insbesondere we...
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    Gilbert Sinoué
    Le souffle du jasmin
    Die Geschichte beginnt 1916 mit dem Sykes-Picot Abkommen und führt die Leserschaft durch Jahrzehnte voller Kriege und Katastrophen bis in...
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    Gilbert Sinoué
    Le cri des pierres
    Der zweite Teil der Familiensaga im Nahen Osten setzt 1956 ein. Das Ägypten von Nasser, die unüberwindlichen Konflikte zwischen der arabi...
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    Jabbour Douaihy
    Morgen des Zorns
    Im Juni 1957 hat in einer Kirche der Kleinstadt Barka eine Massenschiesserei zwischen zwei verfeindeten Familien stattgefunden. Mehr als...
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    Elias Khoury
    Gate of the sun
    Das Buch nimmt einen mit. In die Vergangenheit, in die Geschichten der vertriebenen Palästinenser und Palästinenserinnen, in die verschlu...
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    Etel Adnan
    Sitt Marie-Rose
    Ein erschütternder Text. In schnörkelloser und auch erbarmungsloser Klarheit und Schärfe analysiert Etel Adnan den Zustand der libanesisc...
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    Robert Fisk
    Pity the Nation
    Zuerst schreckte ich zurück vor diesem monumentalen Werk über den libanesischen Bürgerkrieg von 1975 bis 1990. Ein dickes Buch, kleingedr...
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    Hoda Barakat
    The Stone of Laughter
    Ein Text, der einen nicht loslässt, rüttelt, irritiert, wärmt, beruhigt, tieftraurig macht und auch wieder zum Lachen bringt. Es ist ein...
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    Zeina Abirached
    Das Spiel der Schwalben
    Zeina Abirached's Graphic Novel hält einen von der ersten Seite an in Bann. Gewisse Seiten scheinen auf den ersten Blick mit harmlosen sc...
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    Hassan Dawud
    Der Gesang des Pinguins
    Im Zentrum des Romans steht das Thema des Verlustes der Heimat, des selber gewählten Lebens. Der Ich-Erzähler – erst mit der Zeit ve...
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    Alawiyya Sobh
    Marjams Geschichten
    Romanfiguren sind auf der Suche nach Alawiyya Sobh, ihrer Autorin, die während so vieler Jahre ihre Geschichten gesammelt hat. Sie ist ve...
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    Rabee Jaber
    The Mehlis Report
    Beirut im Herbst 2005. Nach dem Attentat auf den Premierminister Rafik Hariri hat die UNO Detlev Mehlis mit den Untersuchungen zum Mordan...
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    Alexandra Chreiteh
    Ali and his Russian Mother
    Aus der Sicht einer jungen Frau (wir kennen ihren Namen nicht) erfahren wir, wie sich Menschen beim Ausbruch eines Krieges verhalten könn...
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    Stanisław Strasburger
    Besessenheit. Libanon
    Das Buch ist als Sachbuch-Fiktion beschrieben. Und das trifft es auch. Obwohl das erklärte Ziel ist, keine historisch-gesellschaftliche A...
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    Nada Awar Jarrar
    An Unsafe Haven
    Ein Roman, in dem wir in das aktuelle Beirut eintauchen. Erzählt werden uns die Geschichten von Hannah und Peter, Anas und Brigitte, Mays...
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    Omar Khaled Ahmad, Nibal Alalo, Safa Khaled Algharbawi, Omar Abdellatif Alndaf, Rayan Mohamad Sukkar, Safiya Badran, Fatima Omar Ghazawi, Samih Mahmoud and Hiba Mareb
    Shatila Stories
    Der englische Verlag Peirene hat mit dem Projekt Shatila Stories den Geflüchteten aus Syrien (und aus Palästina) im palästinensischen Flü...
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    Mashallah News et AMI
    Beyrouth, chroniques et détours

    Broschiertes Buch (mit zahlr. Abb.) mehr
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    Ziad Doueiri
    West Beyrouth
    West Beyrouth ist ein sehr guter Einstieg, wenn Sie sich Beirut und dem in dieser Stadt 1975 ausgebrochenen Bürgerkrieg annähern möchten....
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    Mashrou' Leila
    Raasuk
    Mashrou' Leila bedeutet soviel wie Leilas Projekt oder auch "Overnight Project". Sie ist eine fünfköpfige libanesische Alternat...
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    Lamia Ziadé
    Ô nuit, ô mes yeux. Le Caire / Beyrouth / Damas / Jerusalem
    Dieses wunderbare Buch – Text und Zeichnungen – entführt uns in den Nahen Osten der 20er bis 70er Jahre. In die goldene Zeit de...
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Auf unserer Länderseite von Libanon und auf der Seite zu der ganzen Region finden Sie noch weitere Bücher, Filme und Musik.

Syrien

Unseren zweiten Themenschwerpunkt widmen wir Syrien. Syrien ist in unserem Alltag so präsent wie noch nie geworden, und die schlechten Nachrichten aus diesem kriegsgeschüttelten Land reissen nicht ab. Neben den aktuellen Kriegsereignissen interessiert uns hier die Geschichte des Landes. Auf welchem Boden sind die Zustände gewachsen, die die desaströse Gegenwart ermöglicht oder vielmehr bedingt haben? Und wie geht es den Leuten, die nach wie vor in Syrien leben?

Wir freuen uns, dass Elena Wetli, eine in Syrien lebende Schweizerin, sich bereit erklärt hat, Berichte aus dem syrischen Alltag zu verfassen. Was erzählen die Menschen über ihre Situation in Syrien, was treibt sie um, wie  sieht der Alltag in Tartus aus? Alle zwei Wochen werden wir einen neuen Beitrag von Elena Wetli aufschalten.

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Gast aus Syrien

Elena Wetli

Für unseren Themenschwerpunkt Syrien hat die in Tartus lebende Ethnologin Elena Wetli von Mai bis August 2017, mehrheitlich während des Ramadans, Beiträge zum Alltag in der syrischen Hafenstadt Tartus und im Umland verfasst. Wir haben sie gebeten, uns einen kleinen Einblick in den Alltag der Menschen im kriegsversehrten Syrien zu geben. Wie geht es den Menschen, was hoffen sie, was denken sie und was treibt sie um? Im Abstand von je drei Wochen schalten wir die Beiträge von Elena Wetli auf unsere Webseite.

Hier finden Sie ihre Beiträge.


Unsere Buchtipps zu Syrien

Wir haben für Sie eine Zusammenstellung von einigen Titeln zu und aus Syrien gemacht, die uns gefallen, beeindruckt, berührt haben: Michael Sommer führt uns auf sehr lesbare und  nachvollziehbare Weise zurück in die Geschichte der Antike, nach Hatra, Jerusalem, Aleppo, Palmyra. Einen visuellen Eindruck von diesen Orten und die Diskussionen um diese Schätze in den Wirren des Bürgerkrieges finden Sie im bebilderten Buch von Mamoun Fansa. Gertrude Bell, man nennt sie auch die weibliche Lawrence of Arabia, beschreibt humorvoll und kenntnisreich ihre Reise in das Syrien von 1905. Gerhard Schweizer gibt einen äusserst spannenden Überblick über die Geschichte des Nahen Ostens seit der Antike bis in die Neuzeit – die verschiedenen politischen wie auch kulturellen und religiösen Strömungen, das immer schon prekäre Verhältnis zwischen dem Orient und dem Okzident. John McHugo präsentiert uns eine dichte Beschreibung der Geschichte Syriens der letzten hundert Jahre. Sein Text ist insbesondere empfehlenswert zusammen mit dem Buch seiner Frau, Diane Darke. Sie beschreibt die neueren Ereignisse Syriens als persönliche Reportage, entlang des Erwerbs und des Bewohnens eines Hauses in Damaskus. Ihre Analyse der Gesellschaft und ihre kulturellen und philosophischen Überlegungen ermöglichen uns einen aufschlussreichen Innenblick auf die Region. Im Film Al-Leil von Mohamed Malas nehmen wir teil am Schicksal einer Kleinstadt und ihrer Bewohner und Bewohnerinnen in den syrischen Golanhöhen und erfahren eine ganze Menge zu den politischen Ereignissen der 60er Jahre.

Literarisch lässt sich die drückende Schwere des Assad-Regimes in Syrien seit 1970 insbesondere in der sehr melancholischen, äusserst lesenswerten Familiengeschichte von Khaled Khalifa  erfahren. Sie führt uns in die Resignation und das Schweigen der 70er und 80er Jahre unter Assad. Die Grausamkeit und Härte dieses Regimes gegenüber seinen Bürgern und Bürgerinnen lässt sich in dem beeindruckenden Gefängnisroman von Mustafa Khalifa auf schockierende Art erahnen. Die äusserst grausame Haltung gegenüber Menschen, die sich nicht dem Regime unterordnen, versucht Daniel Gerlach in seiner Analyse des Herrschaftssystems unter Assad zu erklären.

Die aktuellen Zustände seit dem Ausbruch des Krieges 2011 dokumentiert Samar Yazbek in sehr persönlicher Weise mit ihren Reportagen. Sie erlaubt uns durch ihr Schreiben einen tiefen Blick in die Wünsche und Ängste der Menschen, die sich für eine Veränderung der Verhältnisse eingesetzt haben. Larissa Bender stellt uns eine ganze Reihe von Kulturschaffender in und aus Syrien vor und führt uns vor Augen, wie wichtig Kunst und Kultur gerade in den Zeiten sind, da man eigentlich denken könnte, dass nur noch das Überleben zählt.

Einen visuellen Blick auf die Komplexität der Kriegssituation gewährt uns Hamid Sulaiman mit seiner  Graphic Novel über ein Untergrundspital im Norden Syriens. Mit seinen expressionistischen Zeichnungen ist dieses Buch eine Entdeckung, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Das eigene Empfinden gegenüber der Zerstörung der Heimat, der Stadt, der Familie finden wir einerseits in den tieftraurigen Miniaturen von Niroz Malek, in denen die Grenze zwischen Leben und Tod in irritierender Art und Weise verwischt wird. Er wollte Aleppo und seine Heimat nicht verlassen. Hamed Abboud, der mit fantastischen Elementen und mit viel schwarzem Humor seine Flucht aus Syrien nach Österreich beschreibt, eröffnet uns dank seines lyrischen Könnens einen neuen Blick auf das kriegsgeschüttelte Syrien – und auf die Flucht, die seit Kriegsbeginn für so viele Menschen aus Syrien zur Realität geworden ist.

Orient-Occident II von Jordi Savall erweist Syrien eine musikalische Hommage.

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    Michael Sommer
    Syria. Geschichte einer zerstörten Welt
    Michael Sommer ist ein Kenner der Antike im Nahen Osten, und ein Verfechter des Blicks auf Kontinuitäten und langfristige Entwicklungen....
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    Mamoun Fansa (Hrsg.)
    Syrien
    Sechs Weltkulturerbe-Stätten in den Wirren des Bürgerkriegs
    Gebundenes Buch (mit zahlr. Abb.) mehr
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    Gertrude Bell
    Am Ende des Lavastromes – Durch die Wüsten und Kulturstätten Syriens (1905)
    Die Reiseschilderungen von Gertrude Bell habe ich mit Genuss gelesen. Sie bringen Bells Begeisterung, Neues zu entdecken ebenso lebhaft r...
    Gebundenes Buch mit Fotografien mehr
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    Gerhard Schweizer
    Syrien verstehen. Geschichte, Gesellschaft und Religion
    Gerhard Schweizer hat mit diesem Buch 1998 eine äusserst lesbare Einführung in die verschiedensten Facetten und die Komplexität des arabi...
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    John McHugo
    Syria. A Recent History
    Dieses Buch liest sich bestens zusammen mit dem Buch von Diana Darke: My house in Damaskus - An inside view of the Syrian Revolution. Wäh...
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    Diana Darke
    My house in Damascus – An Inside View of the Syrian Crisis
    Diese Buch liest sich bestens zusammen mit dem Buch von John McHugo, Syria. A History of the Last Hundred Years. Während sich McHugo durc...
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    Mohamed Malas
    Al leil – Die Nacht
    Al leil spielt in Quneitra, eine Stadt auf den Golanhöhen im Südwesten von Syrien, wo die osmanische Verwaltung im 19. Jahrhundert aus de...
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    Khaled Khalifa
    Pas de couteaux dans les cuisines de cette ville
    Ein zutiefst melancholisches Buch, das uns mittels einer in sich zusammenfallenden Familie durch die politische Geschichte Syriens seit d...
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    Mustafa Khalifa
    The Shell
    Der Ich-Erzähler kommt nach sechs Jahren Studium in Paris zurück in sein Land. Syrien, auch wenn es im Text praktisch nicht benannt wird...
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    Daniel Gerlach
    Herrschaft über Syrien. Macht und Manipulation unter Assad
    Daniel Gerlach ist ein Kenner von Syrien und dem Nahen Osten. Als Mitarbeiter des Magazins zenith steht er in Kontakt mit vielen am Gesch...
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    Samar Yazbek
    Die gestohlene Revolution – Reise in mein zerstörtes Syrien
    Diese mutige Schriftstellerin mimt nicht die Heldin. Gemeinsam mit Samar Yazbek durchleben wir die Verzweiflung und die Zerstörung. Sie e...
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    Herausgegeben von Larissa Bender
    Innenansichten aus Syrien
    Larissa Bender hat Beiträge von Autorinnen und Autoren, Theaterschaffenden, Photographinnen und Photographen, Journalisten und Journalist...
    Broschiertes Buch, mit zahlr. Abb. mehr
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    Hamid Sulaiman
    Freedom Hospital
    Expressionistische Zeichnungen und urbane Sprache charakterisieren Freedom Hospital. Die Art und Weise in der Hamid Sulaiman sein Werk ze...
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    Niroz Malek
    Der Spaziergänger von Aleppo
    Im Nachwort zu seinen 57 Miniaturen schreibt Niroz Malek: "Das Schreiben über diesen Krieg ist schmerzhaft, sehr schmerzhaft."...
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    Hamed Abboud
    Der Tod backt einen Geburtstagskuchen
    Kurze literarische Prosa gegen die Ungeheuerlichkeit des Krieges und des Tötens. Abboud bedient sich des Fantastischen und des Schwarzen...
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    Jordi Savall
    Orient-Occident II: Hommage à la Syrie

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Auf unserer Syrien-Seite können Sie  unser  ganzes Sortiment zu Syrien durchforschen, denn es gibt natürlich noch viele weitere Autoren und Autorinnen, die wir Ihnen gerne empfehlen, und weitere Bücher über die Region, ihre Geschichte, den aktuellen Krieg. Sie finden dort auch Musik und Filme aus Syrien. Aktuell legen wir Ihnen hier die Bücher (Ebenholz, Wächter der Lüfte) von Rosa Yassin Hassan ans Herz, die im November und Dezember in Zürich zu treffen sein wird.